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Runners in 20XX¶

Runner sind die unabhängigen Unternehmer der Corporate Wars. Sie beschaffen Informationen, sichern Eigentum, holen Personen zurück, sabotieren Anlagen, schützen Transporte und lösen Probleme, für die reguläre Sicherheitskräfte zu langsam, zu sichtbar oder zu unflexibel sind.
Sie sind keine Anarchisten und keine Untergrundrebellen. Ihre Tätigkeit ist bekannt, gesellschaftlich anerkannt und Teil der amerikanischen Wirtschaft. Runner arbeiten auf eigene Rechnung, verhandeln ihre Bedingungen selbst und tragen das Risiko ihrer Entscheidungen. Ein erfolgreicher Runner besitzt Waffen, Cyberware, Geschäftskontakte und einen guten Anwalt. Ein erfolgloser Runner besitzt meistens nur noch Schulden.
Unternehmer mit Sturmgewehr¶
Grundsätzlich kann jeder Bürger seine Dienste als Runner anbieten. Es gibt keine Ausbildungspflicht, keine staatliche Prüfung und keine Behörde, die entscheidet, wer für diesen Beruf geeignet ist. Der Markt übernimmt diese Aufgabe.
Runner werden bezahlt, weil sie Fähigkeiten verbinden, die gewöhnliche Dienstleister nicht anbieten können. Sie können einen Konzernempfang betreten, eine Überwachungsanlage umgehen, einen Server knacken und sich anschliessend aus einem brennenden Gebäude freikämpfen. Manche sind ehemalige Soldaten, Sicherheitskräfte, Ermittler oder Konzernangestellte. Andere stammen aus Gangs, Werkstätten, Renncrews, Medienunternehmen oder unabhängigen Hackernetzen.
Die meisten arbeiten in festen Crews. Ein einzelner Spezialist kann Aufträge übernehmen, doch grössere Einsätze verlangen unterschiedliche Fähigkeiten, mehrere Waffen und wenigstens eine Person, die weiss, wie man nach dem Einsatz wieder verschwindet.
Runner sind keine Angestellten ihrer Auftraggeber. Sie erhalten kein festes Gehalt, keine garantierte medizinische Versorgung und keine Entschädigung für schlechte Entscheidungen. Dafür können sie ihre Kunden wählen, ihre Preise selbst festlegen und jeden Vertrag ablehnen, den sie für zu gefährlich, zu schlecht bezahlt oder zu langweilig halten.
Der Markt für Aufträge¶
Runner erhalten ihre Arbeit über Fixer, Berater, Anwälte, Sicherheitsunternehmen und andere Vermittler. Konzerne beschäftigen sie selten direkt. Ein fest angestellter Einsatztrupp wäre teuer, unflexibel und zu eindeutig mit seinem Arbeitgeber verbunden.
Der Vermittler prüft Anfragen, bringt Auftraggeber und Crew zusammen und sorgt dafür, dass beide Seiten zumindest ungefähr verstehen, worauf sie sich einlassen. Dafür erhält er Geld, einen Anteil am Honorar oder langfristigen Einfluss auf die Crew.
Aufträge reichen von gewöhnlicher Sicherheitsarbeit bis zu offenen Angriffen auf konkurrierende Unternehmen. Typische Einsätze umfassen:
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Schutz von Personen, Transporten und Anlagen
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Rückführung von Schuldnern, Mitarbeitern oder gestohlenem Eigentum
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Beschaffung vertraulicher Daten und technischer Prototypen
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Aufklärung, Überwachung und Gegenüberwachung
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Sabotage von Produktion, Energieversorgung oder Kommunikation
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Rettung und Extraktion gefährdeter Personen
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Bergung verlorener Fracht oder abgestürzter Fahrzeuge
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Bekämpfung von Gangs, Kulten, Konkurrenten oder anderen Runnern
Der Auftraggeber beschreibt das gewünschte Ergebnis. Wie die Crew es erreicht, bleibt gewöhnlich ihr Problem.
Die Runnerregistrierung¶
Professionelle Runner lassen sich als bewaffnete gewerbliche Auftragnehmer registrieren. Die Registrierung ist keine Lizenz und bestätigt weder Ausbildung noch persönliche Zuverlässigkeit. Sie dient vor allem dazu, Verträge, Schäden und Forderungen eindeutig zuordnen zu können.
Erfasst werden gewöhnlich der Name des Runners oder der Crew, eine Zustelladresse, eine Kontaktmöglichkeit und die verantwortlichen Vertragspartner. Waffen, Fahrzeuge und andere gewerblich genutzte Ausrüstung können direkt der Registrierung zugeordnet werden. Manche Register verlangen zusätzlich eine Versicherung, eine Kaution oder den Nachweis ausreichender Kreditwürdigkeit.
Die Registrierung lässt sich bei städtischen Vertragsstellen, anerkannten Sicherheitsunternehmen oder privaten Registrierungsdiensten durchführen. Die Gebühren sind niedrig, die Bearbeitung erfolgt schnell und eine Ablehnung ist selten. Die Incorporated States wollen nicht entscheiden, wer Runner sein darf. Sie wollen wissen, wem später die Rechnung geschickt wird.
Unregistrierte Runner sind nicht automatisch Kriminelle. Sie erhalten jedoch schlechtere Aufträge, zahlen höhere Kautionen und haften persönlich für alle Schäden. Seriöse Vermittler, Versicherer und Auftraggeber arbeiten deshalb bevorzugt mit registrierten Crews.
Stellung in der Gesellschaft¶
Runner gelten als gefährlich, aber nicht grundsätzlich anrüchig. Sie stehen gesellschaftlich zwischen Privatdetektiven, Kopfgeldjägern, Sicherheitsberatern, Rennfahrern und Actionstars.
Konzernangestellte bewundern ihre Unabhängigkeit und halten sie gleichzeitig für unvernünftig. Jugendliche sehen in ihnen moderne Cowboys. Versicherer sehen Risiken, Waffenhersteller sehen Kunden und OmniStar sieht Inhalte.
Restaurants und Hotels bedienen Runner, verlangen aber gelegentlich höhere Kautionen. Werkstätten werben mit Einsatzrabatten. Kliniken bieten spezielle Behandlungspakete an. Banken finanzieren Fahrzeuge und Cyberware, sofern das erwartete Einkommen oder die verwertbaren Sicherheiten ausreichen.
Ein Runner muss seinen Beruf nicht verbergen. Er kann sich als Sicherheitsberater, Rückführungsspezialist, Ermittler oder unabhängiger Einsatzunternehmer vorstellen. Welche Bezeichnung er wählt, hängt vor allem davon ab, wer zuhört.
Eine sichtbare Branche¶
Runner sind keine geheime Subkultur. Sie besitzen Fachmessen, Bars, Versicherungsangebote, Waffenrabatte und eigene Medien.
Runners of Fortune ist die bekannteste Publikation der Branche. Das Magazin verbindet Einsatzberichte, Waffen- und Cyberwaretests, Vertragsberatung und Porträts erfolgreicher Crews. Es veröffentlicht Rankings von Vermittlern, warnt vor schlechten Versicherungen und erklärt, welche neue Waffe den Anschaffungskredit tatsächlich wert ist.
Populärer ist die Fernsehshow Private Runs – Living on the Mumm. Sie begleitet ausgewählte Crews bei Einsätzen, Vorbereitungen und Vertragsverhandlungen. Kameradrohnen zeigen Schusswechsel, Fahrzeugjagden und dramatische Rettungen, während Sponsoren Waffen, Cyberware und Versicherungen präsentieren.
Nicht jede Szene ist echt. Manche Einsätze werden nachgestellt, andere speziell für die Kameras organisiert. Die Zuschauer interessiert das wenig. Sie wollen Profis sehen, die Risiken eingehen, hohe Rechnungen verursachen und am Ende mit dem Honorar davonfahren.
Berühmte Runner verkaufen Trainingsprogramme, Kleidung, Waffenlinien und Autobiografien. Jugendliche tragen Crewlogos, sammeln Einsatzkarten und diskutieren darüber, welcher Fahrer, Hacker oder Schütze bei Private Runs der Beste ist.
Die meisten Runner werden niemals berühmt. Trotzdem wachsen sie in einer Kultur auf, die ihnen verspricht, dass jeder Auftrag der Beginn einer grossen Karriere sein könnte.
Leben zwischen den Einsätzen¶
Die meiste Zeit verbringen Runner nicht unter Beschuss. Sie trainieren, warten Ausrüstung, beschaffen Informationen und versuchen, ihre Rechnungen zu bezahlen.
Ein Teil des Honorars fliesst in Munition, Medikamente, Ersatzteile und Reparaturen. Weitere Kosten entstehen durch Versicherung, Anwalt, Vermittler, Fahrzeugkredite und medizinische Behandlung. Cyberware muss gewartet, Waffen müssen registriert und sichere Unterkünfte müssen bezahlt werden.
Erfolgreiche Crews besitzen eine feste Operationsbasis, ein gemeinsames Fahrzeug und zuverlässige Kontakte. Weniger erfolgreiche Crews treffen sich in gemieteten Lagerräumen, Werkstätten, Bars oder Motelzimmern. Manche leben gemeinsam, andere sehen sich nur bei Briefings und Einsätzen.
Das Einkommen ist unregelmässig. Ein guter Auftrag kann mehrere Monate finanzieren. Ein gescheiterter Auftrag kann eine Crew mit Schulden zurücklassen, die nur durch einen noch gefährlicheren Auftrag beglichen werden können.
Runner wählen diesen Beruf nicht wegen seiner Stabilität. Sie wählen ihn, weil ein einziger Einsatz mehr einbringen kann als ein Jahr gewöhnlicher Arbeit und weil niemand ihnen sagt, wann sie morgens erscheinen müssen.
Freiheit auf eigene Rechnung¶
Runner verkörpern das Versprechen der Incorporated States in seiner reinsten Form. Sie sind frei von festen Arbeitgebern, garantierten Arbeitszeiten und langfristigen Verpflichtungen. Dafür besitzen sie keinen Schutz vor Krankheit, Schulden, schlechten Verträgen oder gegnerischem Feuer.
Sie können reich, berühmt und unabhängig werden. Sie können ebenso leicht in einem namenlosen Korridor sterben, während ihr Auftraggeber erklärt, nie von ihnen gehört zu haben.
Runner stehen nicht ausserhalb des Systems. Sie sind das Ergebnis eines Systems, das Gewalt, Risiko und Verantwortung in marktfähige Dienstleistungen verwandelt hat.
Sie besitzen keine Garantie auf Erfolg.
Sie besitzen eine Registrierung, eine Crew und die Freiheit, es trotzdem zu versuchen.