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Sicherheit¶

Sicherheit ist in 20XX kein Grundrecht. Sie ist eine Dienstleistung. Wer in einer Konzernzone lebt, erhält bewaffnete Patrouillen, Zugangskontrollen, medizinische Notfallteams und überwachte Verkehrswege als Teil seines Vertrags. Ausserhalb der Konzernzonen wird Sicherheit persönlicher. Nachbarschaften beschäftigen lokale Wachen, Geschäfte zahlen Schutzgelder und Gangs sichern Strassen, Märkte oder ganze Wohnblöcke. Polizei existiert weiterhin, doch ihre Zuständigkeit endet häufig dort, wo private Verträge beginnen oder die Anfahrt wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist.
Deshalb sind viele Bürger bewaffnet. Wohnungen besitzen verstärkte Türen, Fahrzeuge versteckte Waffenfächer und selbst Familienrestaurants beschäftigen Sicherheitskräfte. Gewalt ist allgegenwärtig, aber selten chaotisch. Sie wird versichert, lizenziert, ausgelagert und nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt.
Versicherung statt Ausweis¶
Die wichtigste Karte im Alltag ist die Versicherungskarte. Sie zeigt, wer bei Unfall, Krankheit oder Sachschaden bezahlt und welche Klinik, Werkstatt oder Sicherheitsfirma zuständig ist. Wer keine Versicherung besitzt, zahlt bar, hinterlegt eine Kaution oder wird abgewiesen. Für Motels, Busse, Märkte und gewöhnliche Einkäufe ist ein amtlicher Identitätsnachweis normalerweise bedeutungslos.
Die meisten Bürger besitzen staatliche Unterlagen wie Geburtsurkunde oder Personenkennziffer. Im Alltag werden sie kaum benötigt. Wichtig werden sie bei Grenzübertritten, Wahlen, staatlichen Gerichten, Immobilienkäufen, grossen Bankverträgen und Bundesbehörden. Einen Führerschein gibt es nicht. Wer ein Fahrzeug besitzt oder bezahlt, fährt.
Firmenausweise sind Zugangskarten, keine allgemeinen Identitätsnachweise. Sie regeln, welche Gebäude, Fahrzeuge, Netze und Bereiche ein Mitarbeiter nutzen darf. Einfache Ausweise werden nur angesehen oder durch ein Lesegerät gezogen. In wichtigen Bereichen kommen PIN, Handabdruck oder Netzhautkontrolle hinzu.
Registrierung von Dataphones¶
Dataphones müssen weder angemeldet noch einer staatlichen Identität zugeordnet werden. Es gibt keine zentrale Bürgerdatenbank, in der jedes Gerät seinem Besitzer zugewiesen ist. Provider kennen bei Vertragskunden ihre Kundendaten. Bei Prepaid-Konten sehen sie vor allem Gerätekennung, Verbindungen und Guthabenbewegungen. Wer eine Karte bar kauft und das Gerät wechselt, kann seine Spur erheblich erschweren.
Runner nutzen häufig mehrere Dataphones und Prepaid-Konten. Geräte werden gebraucht gekauft, weitergegeben oder nach einem Auftrag entsorgt. Völlige Anonymität gibt es trotzdem nicht. Provider speichern Verbindungsdaten, Netzknoten erkennen Gerätekennungen und kompromittierte Kontakte können ein scheinbar anonymes Konto enttarnen. Entscheidend ist nicht eine offizielle Identität, sondern das Muster der Nutzung.
Falsche Identitäten¶
Falsche Identitäten werden meist für einen bestimmten Zweck erstellt. Eine gefälschte Firmenkarte oder Versicherungskarte ist für Runner oft nützlicher als eine vollständige neue Existenz. Einfache Dokumente kosten 50 bis 200 Dollar. Belastbare Papiere kosten 500 bis 1.500 Dollar. Eine vollständige amtliche Identität beginnt bei etwa 5.000 Dollar.
Biometrische Daten¶
Biometrische Daten werden vor allem konzernintern erfasst. Konzerne speichern Fingerabdrücke, Stimme, Netzhaut, Implantatsignaturen und medizinische Daten ihrer Mitarbeiter und wichtigen Vertragspartner. Diese Datenbanken sind voneinander getrennt. Im öffentlichen Raum und im öffentlichen Verkehr gibt es keine systematische biometrische Kontrolle. Staatliche Stellen erfassen Biometrie vor allem nach Festnahmen wegen schwerer Gewaltverbrechen. Dann werden Fotos, Fingerabdrücke, Narben und auffällige Cyberware dokumentiert.
Kriminelle erkennen¶
Kriminelle werden nicht automatisch durch Kameras erkannt. Die meisten Aufnahmen sind schlecht, lokal gespeichert oder werden schnell überspielt. Ein Runner wird durch Zeugen, auffällige Cyberware, Fahrzeuge, Kontakte, bekannte Vorgehensweisen oder Informanten erkannt. Konzerninterne Biometrie ist gefährlich, aber nur innerhalb des jeweiligen Konzerns. Eine lokale Fahndung bleibt lokal. Eine Konzernfahndung erreicht eigene Gebäude und Vertragspartner. Eine stadtweite Fahndung braucht Medien, Belohnungen und jemanden, der tatsächlich hinsieht.
Zuständigkeiten¶
Bundesrecht gilt bei nationaler Sicherheit, Grenzen und schweren Verbrechen gegen die Incorporated States. Stadtrecht gilt in öffentlichen Bereichen, Konzernrecht auf Konzerngebiet. In offenen Zonen gilt, was die lokale Macht durchsetzen kann. Verfolgt wird vor allem, was Handel, Versorgung und örtliche Ordnung gefährdet.
Private Sicherheitsdienste schützen ihre Kunden, nicht die Allgemeinheit. Sie kontrollieren Zugänge, durchsuchen Personen, beschlagnahmen Waffen und setzen bei Bedarf tödliche Gewalt ein. Ausserhalb ihres Vertragsgebiets besitzen sie kaum mehr Rechte als bewaffnete Bürger. Das hält viele Unternehmen nicht davon ab, trotzdem zu handeln.
Legalität von Waffen und Cyberware¶
In den Incorporated States sind Pistolen, Gewehre, automatische Waffen und viele militärische Systeme legal erhältlich. Schwere Waffen müssen häufig registriert werden, ihr Kauf bedarf jedoch keiner besonderen Genehmigung.
Ein Hintergrundcheck findet gewöhnlich nicht statt. Verlangt ein Händler, Hersteller oder Versicherer dennoch einen Nachweis gewerblicher Verwendung, genügt meistens die Runnerregistrierung. Sie bestätigt, dass die Waffe einem bekannten Unternehmen oder einer haftbaren Person zugeordnet werden kann.
Granatwerfer, schwere Maschinenwaffen, bewaffnete Drohnen und tragbare Raketenwaffen sind deshalb keine geheimen Schwarzmarktprodukte. Sie stehen in Katalogen, werden finanziert und können mit Wartungsvertrag geliefert werden. Einschränkungen betreffen vor allem Lagerung, Versicherung und Haftungsdeckung.
