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Kapitelbild: Leben in 20XX

Alltag

Das Leben in den Incorporated States ist bequem, teuer und erstaunlich unbürokratisch. Wohnung, Nahrung, Medizin, Kommunikation und Sicherheit gelten nicht als Bürgerrecht, sondern als Dienstleistung.

Wohnen und Versorgung

Billige Vermieter verlangen Vorkasse und stellen wenige Fragen. Ein Motel, Kapselhotel oder Wohncontainer kostet etwa 10 bis 20 Dollar pro Nacht. Ein kleines Zimmer liegt bei 250 bis 500 Dollar im Monat, ein ordentliches Apartment bei 700 bis 1.200 Dollar.

Eine einfache synthetische Mahlzeit kostet 2 bis 5 Dollar, ein ordentliches Essen 8 bis 15 Dollar. Gute Restaurants verlangen 20 bis 50 Dollar, echte Nahrung deutlich mehr.

Strom, Wasser, Kühlung und Netz kosten zusammen meist 70 bis 200 Dollar im Monat. In billigen Wohnanlagen sind Ausfälle und Verbrauchsgrenzen normal.

Prekärer Lebensstil

Menschen mit prekärem Lebensstil schlafen auf der Strasse, in Fahrzeugen, besetzten Gebäuden oder wechselnden Notunterkünften. Sie ernähren sich von billiger Synthetiknahrung und besitzen keinen verlässlichen Zugang zu Strom, Wasser oder Medizin.

Niedriger Lebensstil

Ein niedriger Lebensstil bietet ein festes Bett, aber wenig Privatsphäre. Typisch sind Wohncontainer, Kapselhotels, alte Motels, Arbeiterwohnheime oder kleine Zimmer mit Gemeinschaftsbad.

Ein typischer Startcharakter lebt auf diesem Niveau. Miete und Grundversorgung kosten etwa 250 bis 400 Dollar im Monat.

Gehobener Lebensstil

Ein gehobener Lebensstil umfasst ein kleines Apartment, zuverlässige Versorgung und gute synthetische Nahrung. Fahrzeug, Einrichtung und Cyberware sind meist finanziert.

Die monatlichen Kosten liegen ungefähr zwischen 800 und 1.500 Dollar.

Luxuriöser Lebensstil

Ein luxuriöser Lebensstil bedeutet ein grosses Apartment, Haus oder eine Wohnung in einer gesicherten Konzernzone. Echte Nahrung, private Verkehrsmittel und hochwertige Medizin gehören zum Alltag.

Luxus beginnt bei etwa 4.000 Dollar monatlich und kennt nach oben keine Grenze.

Arbeit und Konsum

Arbeitszeit und Leistungsdruck

Die offizielle Arbeitswoche liegt bei etwa 45 Stunden. In vielen Branchen sind 50 bis 60 Stunden normal, besonders in Konzernverwaltung, Sicherheit, Industrie, Medizin und Logistik. Bereitschaftsdienste, verpflichtende Schulungen und kurzfristige Sondereinsätze gelten häufig nicht als Überstunden, sondern als Teil der persönlichen Einsatzbereitschaft.

Schichtarbeit prägt grosse Teile der Städte. Fabriken, Häfen, Kliniken, Sicherheitszentren und Netzanbieter arbeiten rund um die Uhr. Viele Geschäfte, Restaurants und Dienstleister richten ihre Öffnungszeiten nicht nach Tag und Nacht, sondern nach den Schichtwechseln der umliegenden Betriebe.

Wer nur einen einfachen Job besitzt, gilt nicht automatisch als voll beschäftigt. Nebenjobs, Wochenendarbeit und informelle Aufträge sind weit verbreitet. Angestellte fahren Lieferdienste, reparieren Geräte, bewachen Lager oder verkaufen Waren auf lokalen Märkten. Zusätzliche Arbeit finanziert Versicherungen, Kredite und jene kleinen Statussymbole, die das Leben erträglich machen.

Der Konzern als Arbeitgeber

Ein guter Konzernvertrag bietet weit mehr als Lohn. Wohnung, Krankenversicherung, Transport, Nahrung, Ausbildung und Zugang zu Freizeitangeboten können Teil der Vergütung sein. Je höher Rang und Vertragsklasse, desto besser sind Wohnzone, medizinischer Tarif und Konsumbudget.

Diese Leistungen schaffen Sicherheit, binden den Angestellten aber vollständig an das Unternehmen. Wer seine Stelle verliert, verliert häufig gleichzeitig Wohnung, Versicherung, Schulplätze der Kinder und vergünstigte Versorgung. Selbst Implantate, Fahrzeuge oder Haushaltsgeräte können an den Arbeitsvertrag gekoppelt sein.

Loyalität wird nicht nur durch Leistung gemessen. Pünktlichkeit, Gesundheitsdaten, Konsumverhalten, Kreditwürdigkeit und soziale Kontakte können in Beförderungen und Vertragsverlängerungen einfliessen. Ein Mitarbeiter, der zuverlässig arbeitet, aber die falschen Clubs besucht oder regelmässig seine Raten verspätet bezahlt, gilt schnell als Risiko.

Arbeit ausserhalb der Konzerne

Kleine Unternehmen, Familienbetriebe und lokale Crews bieten mehr persönliche Freiheit, aber weniger Sicherheit. Löhne werden bar, in Credits oder als Anteil an Waren und Dienstleistungen gezahlt. Versicherungen sind selten umfassend, Urlaub hängt vom Auftragsstand ab und Arbeitsunfälle werden oft innerhalb der Gemeinschaft geregelt.

In freien Bezirken verschwimmt die Grenze zwischen Angestelltem, Selbstständigem und Kriminellem. Ein Mechaniker kann tagsüber Fahrzeuge reparieren, abends gestohlene Ersatzteile verkaufen und nachts als Fahrer für eine lokale Crew arbeiten. Entscheidend ist nicht die offizielle Berufsbezeichnung, sondern ob jemand zuverlässig liefert.

Runner bilden die radikalste Form dieser Arbeitswelt. Sie besitzen keinen Kündigungsschutz, keine garantierte Bezahlung und keine reguläre Versicherung. Dafür können sie an einem einzigen Wochenende mehr verdienen als ein Fabrikarbeiter in mehreren Monaten.

Lohn, Kredite und Konsum

Nur ein kleiner Teil des Lebens wird unmittelbar bezahlt. Wohnungen, Fahrzeuge, Cyberware, Elektronik und selbst Urlaubsreisen werden über Kredite, Arbeitgeberprogramme oder langfristige Raten finanziert. Kreditwürdigkeit entscheidet deshalb stärker über den Lebensstandard als das aktuelle Einkommen.

Viele Menschen besitzen Dinge, die ihnen rechtlich nicht vollständig gehören. Der Wagen gehört der Bank, der Cyberarm dem medizinischen Kreditgeber und das Dataphone dem Arbeitgeberprogramm. Solange die Raten bezahlt werden, spielt das im Alltag kaum eine Rolle. Bei Zahlungsausfall können Funktionen eingeschränkt, Geräte eingezogen oder Nutzungsrechte übertragen werden.

Konsum gilt nicht als Luxus, sondern als sichtbarer Beweis wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Neue Kleidung, bessere Elektronik und ein gepflegtes Fahrzeug zeigen, dass jemand beschäftigt, kreditwürdig und gesellschaftlich relevant ist. Wer dauerhaft nichts kauft, wirkt nicht genügsam, sondern verdächtig arm oder politisch unzuverlässig.

Werbung und Markenwelt

Werbung ist allgegenwärtig. Sie läuft auf Wandbildschirmen, in Aufzügen, in Fahrzeugen, auf Verpackungen und in privaten Medienprogrammen. Sie verkauft nicht nur Produkte, sondern ganze Lebensentwürfe: die sichere Familie, den erfolgreichen Angestellten, den patriotischen Veteranen oder den unabhängigen Selbstverteidiger.

Marken ersetzen oft Herkunft und gesellschaftliche Stellung. Kleidung, Waffen, Cyberware und Fahrzeuge zeigen, welcher Konzernwelt jemand nahesteht. Ein schwarzer Blackridge-Mantel vermittelt etwas anderes als ein violetter Aegis-Windbreaker oder eine rote Nakamura-Bildschirmbrille.

Billige Produkte tragen auffällige Logos und spielen regelmässig Werbung ab. Teure Produkte sind diskreter, besitzen bessere Materialien und erlauben dem Käufer häufig, Werbung und Datenerfassung gegen Aufpreis zu reduzieren.

Mode und Erscheinungsbild

Die Mode entspricht einer fortgeschriebenen Version der 1980er. Lederjacken, Jeans, Windbreaker, Trainingsanzüge, breite Anzüge, Schulterpolster, Sneaker und auffällige Sonnenbrillen sind normal. Farben sind kräftig, Schnitte deutlich und Markenlogos sichtbar.

Konzernangestellte tragen Kleidung, die Rang und Abteilung erkennen lässt. Sicherheitskräfte bevorzugen schwere Jacken, Stiefel und militärische Schnitte. Medienleute, Verkäufer und Nachwuchsmanager setzen auf breite Anzüge, glänzende Stoffe und auffällige Accessoires. Techniker tragen Overalls, Werkzeugwesten und robuste Schuhe, häufig direkt mit Firmenabzeichen.

In freien Bezirken wird Kleidung länger getragen, geflickt und verändert. Alte Uniformteile, Motorradkleidung, Sportmode und militärische Ausrüstung werden miteinander kombiniert. Gepanzerte Einsätze, versteckte Taschen und verstärkte Stiefel gelten nicht als ungewöhnlich, solange sie halbwegs modisch aussehen.

Cyberware ist ebenfalls Teil der Mode. Verchromte Gelenke, farbige Augenlinsen, leuchtende Anzeigen und sichtbare Schnittstellen können bewusst gezeigt werden. Billige oder beschädigte Implantate werden dagegen oft unter Ärmeln, Handschuhen oder dunklen Brillen verborgen.

Illustration: Mode und Erscheinungsbild

Technik im Alltag

Technik ist robust, schwer und sichtbar. Monitore, Kassetten, Funkgeräte, Terminals und Dataphones besitzen Tasten, Kabel und austauschbare Module. Geräte wirken wie Maschinen, nicht wie unsichtbare Magie.

Ein typischer Haushalt besitzt mehrere Bildschirme, Abspielgeräte, ein Dataphone, eine Dockingstation und zahlreiche spezialisierte Geräte. Musik, Filme, Programme und Daten werden auf Kassetten, Modulen oder Datenträgern gespeichert. Inhalte sind physisch handelbar, kopierbar und verlierbar.

Persönliche Dataphones ersetzen Telefon, Radio, Terminplaner und einfachen Computer. In einer Dockingstation werden sie mit grösserem Bildschirm, Tastatur, Drucker und Netzanschluss verbunden. Leistungsfähigere Modelle besitzen austauschbare Speicher, stärkere Sender und Erweiterungen für Fahrzeuge oder Cyberware.

Reparieren statt Ersetzen

Technik wird häufig repariert, erweitert und weiterverkauft. Werkstätten tauschen Bauteile, löten Platinen und installieren inoffizielle Module. Selbst Geräte grosser Hersteller bleiben oft jahrzehntelang im Einsatz, weil Ersatzteile und kompatible Nachbauten verfügbar sind.

Hersteller versuchen, Kunden über proprietäre Anschlüsse, Wartungsverträge und Softwarelizenzen zu binden. Trotzdem existiert ein gewaltiger Markt für gebrauchte Geräte, kopierte Programme und umgebaute Hardware. In ärmeren Vierteln besteht ein Haushalt oft aus Produkten verschiedener Jahrzehnte, die nur durch improvisierte Adapter miteinander funktionieren.

Ein neues Gerät ist bequem. Ein altes Gerät, das sich öffnen und reparieren lässt, kann wertvoller sein.

Freizeit und Status

Freizeit ist knapp, aber stark kommerzialisiert. Einkaufszentren, Spielhallen, Kinos, Sportarenen, Clubs und Themenparks bieten kurze, intensive Ablenkung. Viele Angebote sind an Arbeitgeber, Kundenprogramme oder Kreditkarten gekoppelt.

Fernsehen, Musik und Sport prägen den Alltag stärker als Politik. Stars, Moderatoren und Konzernchefs sind allgegenwärtige Leitfiguren. Menschen diskutieren neue Filme, Waffenmodelle, Fahrzeuge und Cyberware mit derselben Ernsthaftigkeit, mit der frühere Generationen über Parteien oder Religion stritten.

Das wichtigste Statussymbol bleibt das Fahrzeug. Danach folgen Wohnung, Kleidung, Unterhaltungselektronik, Waffen und sichtbare Cyberware. Wer sich nichts Grosses leisten kann, investiert wenigstens in Sonnenbrillen, Schuhe, ein besseres Dataphone oder eine auffällige Jacke. In 20XX muss Erfolg nicht dauerhaft sein. Er muss nur sichtbar wirken.

Geld, Kredite und Eigentum

Dollar und Zahlungen

Dollar existieren als Bargeld und digitales Kontogeld. Banknoten, Wertkarten, Barschecks, Konzernscrip und Casinochips sind weit verbreitet. Bargeld ist anonym. Digitale Zahlungen hinterlassen Spuren beim jeweiligen Anbieter, werden aber nicht automatisch zentral ausgewertet.

Im Alltag gilt meist: Versicherung oder Vorkasse.

Konzernkonten

Ein Konzernkonto verbindet Gehalt, Wohnung, Versicherung und interne Einkäufe. Miete, Nahrung, Medizin und Kredite können direkt vom Lohn abgezogen werden.

Ein Teil des Einkommens kann als Konzernscrip ausgezahlt werden. Innerhalb des Konzerns ist es vollwertig, ausserhalb meist weniger wert.

Kredite

Kredite finanzieren Wohnungen, Fahrzeuge, Waffen, Medizin und Cyberware. Entscheidend sind Einkommen, Arbeitgeber, Versicherung, Sicherheiten und bisherige Zahlungen.

Bei Zahlungsverzug folgen Gebühren, automatische Abbuchungen, Einschränkungen, Inkasso und schliesslich Beschlagnahmung oder Zwangsverträge.

Kreditfinanzierte Cyberware

Kreditfinanzierte Cyberware gehört körperlich zum Träger, rechtlich aber nicht vollständig ihm. Der Kreditgeber besitzt ein Sicherungsrecht am Implantat.

Anbieter können Zusatzmodule, Zielhilfen oder Leistungssteigerungen sperren und Wartung verweigern. Lebensnotwendige Grundfunktionen dürfen offiziell nicht deaktiviert werden.

Persönliches Eigentum

Eigentum ist so sicher wie die Gegend und der Schutzvertrag. In Konzernzonen sind Diebstähle selten, in offenen Zonen schützen Nachbarn, Gangs oder private Wachen.

Gestohlene Fahrzeuge, Waffen und Cyberware tragen oft Seriennummern, Eigentumsmarkierungen oder Ortungssysteme. Diese müssen entfernt werden, bevor die Ware verkauft werden kann.

Medizin und Versicherungen

Medizinische Versorgung

Medizin wird von Kliniken, Arbeitgebern und Versicherungen angeboten. Vor einer Behandlung werden Versicherungskarte oder Zahlungsfähigkeit geprüft.

Versicherungen unterscheiden sich nach Kliniknetz, Wartezeit, Implantathersteller, Medikamenten, Behandlungslimit und Notfalltransport.

Ohne Versicherung

Wer keine Versicherung besitzt, zahlt bar, nimmt einen medizinischen Kredit auf oder geht in eine freie oder illegale Klinik.

Ohne Geld erhält man meist nur eine minimale Stabilisierung. Illegale Kliniken verlangen Vorkasse und stellen wenige Fragen, verwenden aber häufiger gebrauchte Teile, kopierte Software und Medikamente unbekannter Herkunft.

Illustration: Ohne Versicherung