Leben in 20XX

Alltag

Das Leben in den Incorporated States ist bequem, teuer und erstaunlich unbürokratisch. Wohnung, Nahrung, Medizin, Kommunikation und Sicherheit gelten nicht als Bürgerrecht, sondern als Dienstleistung.

Wohnen und Versorgung

Billige Vermieter verlangen Vorkasse und stellen wenige Fragen. Ein Motel, Kapselhotel oder Wohncontainer kostet etwa 10 bis 20 Dollar pro Nacht. Ein kleines Zimmer liegt bei 250 bis 500 Dollar im Monat, ein ordentliches Apartment bei 700 bis 1.200 Dollar.

Eine einfache synthetische Mahlzeit kostet 2 bis 5 Dollar, ein ordentliches Essen 8 bis 15 Dollar. Gute Restaurants verlangen 20 bis 50 Dollar, echte Nahrung deutlich mehr.

Strom, Wasser, Kühlung und Netz kosten zusammen meist 70 bis 200 Dollar im Monat. In billigen Wohnanlagen sind Ausfälle und Verbrauchsgrenzen normal.

Prekärer Lebensstil

Menschen mit prekärem Lebensstil schlafen auf der Strasse, in Fahrzeugen, besetzten Gebäuden oder wechselnden Notunterkünften. Sie ernähren sich von billiger Synthetiknahrung und besitzen keinen verlässlichen Zugang zu Strom, Wasser oder Medizin.

Niedriger Lebensstil

Ein niedriger Lebensstil bietet ein festes Bett, aber wenig Privatsphäre. Typisch sind Wohncontainer, Kapselhotels, alte Motels, Arbeiterwohnheime oder kleine Zimmer mit Gemeinschaftsbad.

Ein typischer Startcharakter lebt auf diesem Niveau. Miete und Grundversorgung kosten etwa 250 bis 400 Dollar im Monat.

Gehobener Lebensstil

Ein gehobener Lebensstil umfasst ein kleines Apartment, zuverlässige Versorgung und gute synthetische Nahrung. Fahrzeug, Einrichtung und Cyberware sind meist finanziert.

Die monatlichen Kosten liegen ungefähr zwischen 800 und 1.500 Dollar.

Luxuriöser Lebensstil

Ein luxuriöser Lebensstil bedeutet ein grosses Apartment, Haus oder eine Wohnung in einer gesicherten Konzernzone. Echte Nahrung, private Verkehrsmittel und hochwertige Medizin gehören zum Alltag.

Luxus beginnt bei etwa 4.000 Dollar monatlich und kennt nach oben keine Grenze.

Arbeit und Konsum

Arbeitszeit und Leistungsdruck

Die offizielle Arbeitswoche liegt bei etwa 45 Stunden. In vielen Branchen sind 50 bis 60 Stunden normal, besonders in Konzernverwaltung, Sicherheit, Industrie, Medizin und Logistik. Bereitschaftsdienste, verpflichtende Schulungen und kurzfristige Sondereinsätze gelten häufig nicht als Überstunden, sondern als Teil der persönlichen Einsatzbereitschaft.

Schichtarbeit prägt grosse Teile der Städte. Fabriken, Häfen, Kliniken, Sicherheitszentren und Netzanbieter arbeiten rund um die Uhr. Viele Geschäfte, Restaurants und Dienstleister richten ihre Öffnungszeiten nicht nach Tag und Nacht, sondern nach den Schichtwechseln der umliegenden Betriebe.

Wer nur einen einfachen Job besitzt, gilt nicht automatisch als voll beschäftigt. Nebenjobs, Wochenendarbeit und informelle Aufträge sind weit verbreitet. Angestellte fahren Lieferdienste, reparieren Geräte, bewachen Lager oder verkaufen Waren auf lokalen Märkten. Zusätzliche Arbeit finanziert Versicherungen, Kredite und jene kleinen Statussymbole, die das Leben erträglich machen.

Der Konzern als Arbeitgeber

Ein guter Konzernvertrag bietet weit mehr als Lohn. Wohnung, Krankenversicherung, Transport, Nahrung, Ausbildung und Zugang zu Freizeitangeboten können Teil der Vergütung sein. Je höher Rang und Vertragsklasse, desto besser sind Wohnzone, medizinischer Tarif und Konsumbudget.

Diese Leistungen schaffen Sicherheit, binden den Angestellten aber vollständig an das Unternehmen. Wer seine Stelle verliert, verliert häufig gleichzeitig Wohnung, Versicherung, Schulplätze der Kinder und vergünstigte Versorgung. Selbst Implantate, Fahrzeuge oder Haushaltsgeräte können an den Arbeitsvertrag gekoppelt sein.

Loyalität wird nicht nur durch Leistung gemessen. Pünktlichkeit, Gesundheitsdaten, Konsumverhalten, Kreditwürdigkeit und soziale Kontakte können in Beförderungen und Vertragsverlängerungen einfliessen. Ein Mitarbeiter, der zuverlässig arbeitet, aber die falschen Clubs besucht oder regelmässig seine Raten verspätet bezahlt, gilt schnell als Risiko.

Arbeit ausserhalb der Konzerne

Kleine Unternehmen, Familienbetriebe und lokale Crews bieten mehr persönliche Freiheit, aber weniger Sicherheit. Löhne werden bar, in Credits oder als Anteil an Waren und Dienstleistungen gezahlt. Versicherungen sind selten umfassend, Urlaub hängt vom Auftragsstand ab und Arbeitsunfälle werden oft innerhalb der Gemeinschaft geregelt.

In freien Bezirken verschwimmt die Grenze zwischen Angestelltem, Selbstständigem und Kriminellem. Ein Mechaniker kann tagsüber Fahrzeuge reparieren, abends gestohlene Ersatzteile verkaufen und nachts als Fahrer für eine lokale Crew arbeiten. Entscheidend ist nicht die offizielle Berufsbezeichnung, sondern ob jemand zuverlässig liefert.

Runner bilden die radikalste Form dieser Arbeitswelt. Sie besitzen keinen Kündigungsschutz, keine garantierte Bezahlung und keine reguläre Versicherung. Dafür können sie an einem einzigen Wochenende mehr verdienen als ein Fabrikarbeiter in mehreren Monaten.

Lohn, Kredite und Konsum

Nur ein kleiner Teil des Lebens wird unmittelbar bezahlt. Wohnungen, Fahrzeuge, Cyberware, Elektronik und selbst Urlaubsreisen werden über Kredite, Arbeitgeberprogramme oder langfristige Raten finanziert. Kreditwürdigkeit entscheidet deshalb stärker über den Lebensstandard als das aktuelle Einkommen.

Viele Menschen besitzen Dinge, die ihnen rechtlich nicht vollständig gehören. Der Wagen gehört der Bank, der Cyberarm dem medizinischen Kreditgeber und das Dataphone dem Arbeitgeberprogramm. Solange die Raten bezahlt werden, spielt das im Alltag kaum eine Rolle. Bei Zahlungsausfall können Funktionen eingeschränkt, Geräte eingezogen oder Nutzungsrechte übertragen werden.

Konsum gilt nicht als Luxus, sondern als sichtbarer Beweis wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Neue Kleidung, bessere Elektronik und ein gepflegtes Fahrzeug zeigen, dass jemand beschäftigt, kreditwürdig und gesellschaftlich relevant ist. Wer dauerhaft nichts kauft, wirkt nicht genügsam, sondern verdächtig arm oder politisch unzuverlässig.

Werbung und Markenwelt

Werbung ist allgegenwärtig. Sie läuft auf Wandbildschirmen, in Aufzügen, in Fahrzeugen, auf Verpackungen und in privaten Medienprogrammen. Sie verkauft nicht nur Produkte, sondern ganze Lebensentwürfe: die sichere Familie, den erfolgreichen Angestellten, den patriotischen Veteranen oder den unabhängigen Selbstverteidiger.

Marken ersetzen oft Herkunft und gesellschaftliche Stellung. Kleidung, Waffen, Cyberware und Fahrzeuge zeigen, welcher Konzernwelt jemand nahesteht. Ein schwarzer Blackridge-Mantel vermittelt etwas anderes als ein violetter Aegis-Windbreaker oder eine rote Nakamura-Bildschirmbrille.

Billige Produkte tragen auffällige Logos und spielen regelmässig Werbung ab. Teure Produkte sind diskreter, besitzen bessere Materialien und erlauben dem Käufer häufig, Werbung und Datenerfassung gegen Aufpreis zu reduzieren.

Mode und Erscheinungsbild

Die Mode entspricht einer fortgeschriebenen Version der 1980er. Lederjacken, Jeans, Windbreaker, Trainingsanzüge, breite Anzüge, Schulterpolster, Sneaker und auffällige Sonnenbrillen sind normal. Farben sind kräftig, Schnitte deutlich und Markenlogos sichtbar.

Konzernangestellte tragen Kleidung, die Rang und Abteilung erkennen lässt. Sicherheitskräfte bevorzugen schwere Jacken, Stiefel und militärische Schnitte. Medienleute, Verkäufer und Nachwuchsmanager setzen auf breite Anzüge, glänzende Stoffe und auffällige Accessoires. Techniker tragen Overalls, Werkzeugwesten und robuste Schuhe, häufig direkt mit Firmenabzeichen.

In freien Bezirken wird Kleidung länger getragen, geflickt und verändert. Alte Uniformteile, Motorradkleidung, Sportmode und militärische Ausrüstung werden miteinander kombiniert. Gepanzerte Einsätze, versteckte Taschen und verstärkte Stiefel gelten nicht als ungewöhnlich, solange sie halbwegs modisch aussehen.

Cyberware ist ebenfalls Teil der Mode. Verchromte Gelenke, farbige Augenlinsen, leuchtende Anzeigen und sichtbare Schnittstellen können bewusst gezeigt werden. Billige oder beschädigte Implantate werden dagegen oft unter Ärmeln, Handschuhen oder dunklen Brillen verborgen.

The image depicts a luxurious high-rise apartment building in Koreatown, with a sleek, modern design, offering spectacular views, exclusive amenities, and enhanced security, prominently featuring the KTV Residences brand. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Technik im Alltag

Technik ist robust, schwer und sichtbar. Monitore, Kassetten, Funkgeräte, Terminals und Dataphones besitzen Tasten, Kabel und austauschbare Module. Geräte wirken wie Maschinen, nicht wie unsichtbare Magie.

Ein typischer Haushalt besitzt mehrere Bildschirme, Abspielgeräte, ein Dataphone, eine Dockingstation und zahlreiche spezialisierte Geräte. Musik, Filme, Programme und Daten werden auf Kassetten, Modulen oder Datenträgern gespeichert. Inhalte sind physisch handelbar, kopierbar und verlierbar.

Persönliche Dataphones ersetzen Telefon, Radio, Terminplaner und einfachen Computer. In einer Dockingstation werden sie mit grösserem Bildschirm, Tastatur, Drucker und Netzanschluss verbunden. Leistungsfähigere Modelle besitzen austauschbare Speicher, stärkere Sender und Erweiterungen für Fahrzeuge oder Cyberware.

Reparieren statt Ersetzen

Technik wird häufig repariert, erweitert und weiterverkauft. Werkstätten tauschen Bauteile, löten Platinen und installieren inoffizielle Module. Selbst Geräte grosser Hersteller bleiben oft jahrzehntelang im Einsatz, weil Ersatzteile und kompatible Nachbauten verfügbar sind.

Hersteller versuchen, Kunden über proprietäre Anschlüsse, Wartungsverträge und Softwarelizenzen zu binden. Trotzdem existiert ein gewaltiger Markt für gebrauchte Geräte, kopierte Programme und umgebaute Hardware. In ärmeren Vierteln besteht ein Haushalt oft aus Produkten verschiedener Jahrzehnte, die nur durch improvisierte Adapter miteinander funktionieren.

Ein neues Gerät ist bequem. Ein altes Gerät, das sich öffnen und reparieren lässt, kann wertvoller sein.

Freizeit und Status

Freizeit ist knapp, aber stark kommerzialisiert. Einkaufszentren, Spielhallen, Kinos, Sportarenen, Clubs und Themenparks bieten kurze, intensive Ablenkung. Viele Angebote sind an Arbeitgeber, Kundenprogramme oder Kreditkarten gekoppelt.

Fernsehen, Musik und Sport prägen den Alltag stärker als Politik. Stars, Moderatoren und Konzernchefs sind allgegenwärtige Leitfiguren. Menschen diskutieren neue Filme, Waffenmodelle, Fahrzeuge und Cyberware mit derselben Ernsthaftigkeit, mit der frühere Generationen über Parteien oder Religion stritten.

Das wichtigste Statussymbol bleibt das Fahrzeug. Danach folgen Wohnung, Kleidung, Unterhaltungselektronik, Waffen und sichtbare Cyberware. Wer sich nichts Grosses leisten kann, investiert wenigstens in Sonnenbrillen, Schuhe, ein besseres Dataphone oder eine auffällige Jacke. In 20XX muss Erfolg nicht dauerhaft sein. Er muss nur sichtbar wirken.

Geld, Kredite und Eigentum

Dollar und Zahlungen

Dollar existieren als Bargeld und digitales Kontogeld. Banknoten, Wertkarten, Barschecks, Konzernscrip und Casinochips sind weit verbreitet. Bargeld ist anonym. Digitale Zahlungen hinterlassen Spuren beim jeweiligen Anbieter, werden aber nicht automatisch zentral ausgewertet.

Im Alltag gilt meist: Versicherung oder Vorkasse.

Konzernkonten

Ein Konzernkonto verbindet Gehalt, Wohnung, Versicherung und interne Einkäufe. Miete, Nahrung, Medizin und Kredite können direkt vom Lohn abgezogen werden.

Ein Teil des Einkommens kann als Konzernscrip ausgezahlt werden. Innerhalb des Konzerns ist es vollwertig, ausserhalb meist weniger wert.

Kredite

Kredite finanzieren Wohnungen, Fahrzeuge, Waffen, Medizin und Cyberware. Entscheidend sind Einkommen, Arbeitgeber, Versicherung, Sicherheiten und bisherige Zahlungen.

Bei Zahlungsverzug folgen Gebühren, automatische Abbuchungen, Einschränkungen, Inkasso und schliesslich Beschlagnahmung oder Zwangsverträge.

Kreditfinanzierte Cyberware

Kreditfinanzierte Cyberware gehört körperlich zum Träger, rechtlich aber nicht vollständig ihm. Der Kreditgeber besitzt ein Sicherungsrecht am Implantat.

Anbieter können Zusatzmodule, Zielhilfen oder Leistungssteigerungen sperren und Wartung verweigern. Lebensnotwendige Grundfunktionen dürfen offiziell nicht deaktiviert werden.

Persönliches Eigentum

Eigentum ist so sicher wie die Gegend und der Schutzvertrag. In Konzernzonen sind Diebstähle selten, in offenen Zonen schützen Nachbarn, Gangs oder private Wachen.

Gestohlene Fahrzeuge, Waffen und Cyberware tragen oft Seriennummern, Eigentumsmarkierungen oder Ortungssysteme. Diese müssen entfernt werden, bevor die Ware verkauft werden kann.

Medizin und Versicherungen

Medizinische Versorgung

Medizin wird von Kliniken, Arbeitgebern und Versicherungen angeboten. Vor einer Behandlung werden Versicherungskarte oder Zahlungsfähigkeit geprüft.

Versicherungen unterscheiden sich nach Kliniknetz, Wartezeit, Implantathersteller, Medikamenten, Behandlungslimit und Notfalltransport.

Ohne Versicherung

Wer keine Versicherung besitzt, zahlt bar, nimmt einen medizinischen Kredit auf oder geht in eine freie oder illegale Klinik.

Ohne Geld erhält man meist nur eine minimale Stabilisierung. Illegale Kliniken verlangen Vorkasse und stellen wenige Fragen, verwenden aber häufiger gebrauchte Teile, kopierte Software und Medikamente unbekannter Herkunft.

Freizeit

The image depicts a retro arcade scene with people playing games and a date happening inside. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Die Menschen in 20XX arbeiten länger, leben schneller und sterben häufiger als frühere Generationen. Entsprechend gross ist ihr Bedürfnis nach Ablenkung. Unterhaltung ist kein Luxus, sondern eine Industrie, die Erholung, Konsum, Selbstdarstellung und gesellschaftliche Kontrolle miteinander verbindet.

Konzerne verkaufen nicht nur Filme, Musik oder Spiele. Sie verkaufen Lebensstile. OmniStar entscheidet, welche Stars Amerika bewundert. Nakamura und Macrosoft liefern die Geräte, über die diese Stars in die Wohnzimmer gelangen. Reiseveranstalter, Nachtclubketten, Drogenhersteller und Sicherheitsfirmen sorgen dafür, dass selbst der Kontrollverlust planbar, versichert und profitabel bleibt.

Stars von 20XX

Prominente sind in den Incorporated States mehr als Schauspieler, Musiker oder Moderatoren. Sie sind Marken, politische Botschafter und lebende Werbeflächen. Ihre Filme, Beziehungen, Abstürze und Vertragswechsel gehören zum öffentlichen Leben.

Der grösste Actionstar seiner Generation ist Johnny Chrome. Mit seinem verchromten Arm, seinem kantigen Gesicht und einer beeindruckenden Fähigkeit, Explosionen ohne sichtbare Verletzungen zu überstehen, verkörpert er den idealen Helden des neuen Amerika. In seinen Filmen rettet er Konzernanlagen, befreit Geiseln aus kommunistischen Gefängnissen und beweist regelmässig, dass ein entschlossener Mann mit ausreichend Feuerkraft mehr erreichen kann als jede staatliche Behörde.

Chrome verkauft nicht nur Kinokarten. Sein Name steht auf Waffenmodulen, Lederjacken, Trainingsprogrammen und einer eigenen Reihe kosmetischer Cyberarme. Gerüchte über Alkohol, illegale Straßenrennen und Affären steigern gewöhnlich die Verkaufszahlen seiner nächsten Produktion.

Noch näher am wirklichen Leben operieren die Stars des Fernsehens. Die bekannteste unter ihnen ist Lucy Angel, ehemalige Runnerin und Moderatorin von Private Runs – Living on the Edge. In der Sendung begleitet sie registrierte Runner bei echten Aufträgen, kommentiert ihre Entscheidungen und interviewt Überlebende unmittelbar nach Feuergefechten, Verfolgungsjagden oder misslungenen Extraktionen.

Lucy Angel ist zugleich Reporterin, Werbeträgerin und Teil der Show. Ihre Kleidung, Waffen und Cyberware werden von Sponsoren gestellt. Sie gilt als glaubwürdiger als gewöhnliche Moderatoren, weil sie selbst weiss, wie sich Rückstoss, Verrat und ein geplatzter Auftrag anfühlen. Ihre Fans verehren sie für ihre Direktheit. Kritiker werfen ihr vor, Gewalt zur Unterhaltung zu machen. OmniStar verweist darauf, dass die Gewalt ohnehin stattgefunden hätte.

Musikstars prägen Mode und Jugendkultur noch unmittelbarer. Tiffany Starlight verbindet eingängige Popsongs mit Neonmode, grossen Haaren und sorgfältig inszenierter Unschuld. Ihre Konzerte ziehen Familien, Jugendliche und Werbepartner gleichermassen an. Hinter der glitzernden Fassade steht ein streng kontrollierter Markenapparat aus Musiklabel, Modefirma, Kosmetiklinie und privaten Sicherheitsdiensten.

Rocco Rock verkörpert die härtere Seite des Musikgeschäfts. Leder, Chrom, Motorräder und übersteuerte Gitarren bilden das Zentrum seiner Auftritte. Seine Songs handeln von Geschwindigkeit, Strassenkämpfen, gebrochenen Verträgen und dem Recht, sich von niemandem aufhalten zu lassen. Veteranen, Runner, Werkstattcrews und Motorradgangs betrachten ihn als Stimme eines Amerika, das seine Freiheit nicht in Sitzungssälen verteidigt.

Kino und Fernsehen

Filme bleiben die wichtigste gemeinsame Unterhaltung der ISA. Grosse Produktionen starten gleichzeitig in Kinos, auf Pay-TV und über exklusive Konzernnetze. Actionfilme, Kriegsdramen und Polizeiserien dominieren den Markt. Ihre Helden sind Soldaten, Runner, Ermittler oder Unternehmer, die handeln, während andere noch Zuständigkeiten prüfen.

OmniStar produziert den grössten Teil der erfolgreichen Filme und Serien. Der Konzern verbindet Unterhaltung mit Werbung, Nachrichten und politischer Botschaft. Ein Film kann gleichzeitig einen neuen Blackridge-Panzerwagen vorstellen, eine Helix-Prothese bewerben und die Gefahren ausländischer Regulierung erklären.

Fernsehen ist stärker auf den einzelnen Zuschauer zugeschnitten. Haushalte wählen Senderpakete nach Einkommen, Arbeitgeber, Wohnzone und Interessen. Nachrichtensendungen unterscheiden sich in Auswahl und Tonfall, Unterhaltungsshows in ihren Sponsoren und Preisangeboten.

Besonders beliebt sind Realityformate. Runner werden bei Aufträgen begleitet, Familien bei der Umschuldung ihres Hauses und junge Talente bei ihrem Versuch, einen Vertrag mit OmniStar zu erhalten. Gerichtssendungen zeigen reale Vertragsstreitigkeiten. Sicherheitsformate übertragen Festnahmen, Verfolgungsjagden und private Räumungen.

Der Zuschauer sieht keine Schauspieler, die Wirklichkeit nachstellen. Er sieht Wirklichkeit, die bereits für das Fernsehen produziert wurde.

Virtus

Die teuerste und intensivste Form der Unterhaltung sind virtuelle Filme, meist einfach Virtus genannt. Dabei werden Sinneseindrücke direkt in das Nervensystem eingespielt. Der Nutzer betrachtet einen Film nicht, sondern erlebt ihn.

Ein Virtu kann vermitteln, wie es sich anfühlt, mit einem Kampfflieger über dem Pazifik zu fliegen, auf einer Bühne vor hunderttausend Menschen zu stehen oder als Johnny Chrome durch eine brennende Fabrik zu stürmen. Professionelle Produktionen enthalten Bilder, Geräusche, Gerüche, Berührungen und kontrollierte emotionale Reaktionen.

Standardversionen lassen den Nutzer die Rolle einer Hauptfigur erleben, ohne die Handlung verändern zu können. Teurere Produktionen bieten mehrere Perspektiven oder begrenzte Entscheidungen. Luxusstudios erstellen individuelle Virtus, in denen der Kunde selbst zum Star wird.

Die Technologie ist nicht ungefährlich. Schlecht produzierte oder manipulierte Virtus können Desorientierung, Erinnerungslücken, emotionale Abhängigkeit oder neurologische Schäden verursachen. Illegale Aufnahmen enthalten ungefilterte Angst, Schmerz oder sexuelle Reaktionen realer Personen. Da der Besitz vieler solcher Inhalte nicht verboten ist, konzentrieren sich die Behörden vor allem auf gestohlene Persönlichkeitsrechte und nicht lizenzierte Marken.

Für viele Nutzer liegt der Reiz gerade darin, dass ein Virtu intensiver wirkt als das eigene Leben.

Musik und Mixtapes

Musik begleitet den Alltag von 20XX überall: in Fahrzeugen, Werkstätten, Einkaufszentren, Kampfarenen und Konzernbüros. Pop, Hard Rock, Metal, Synth Rock, Hip-Hop, Industrial und regionale Stilrichtungen existieren nebeneinander, werden aber meist von wenigen grossen Labels produziert und vertrieben.

Trotz digitaler Netze sind Mixtapes ein zentraler Teil der Jugend- und Subkultur geblieben. Sie werden auf Kassetten, Datenmodulen oder beschreibbaren Discs weitergegeben. Ein Mixtape ist mehr als eine Zusammenstellung von Liedern. Es ist eine persönliche Botschaft, ein Liebesbeweis, eine Einladung zu einer Crew oder eine musikalische Kampfansage.

Clubs und Gangs verbreiten eigene Mixtapes mit lokalen Bands, aufgezeichneten Konzerten und gesprochenen Botschaften. Runner stellen Musik für Verfolgungsfahrten, Nachtwachen oder bestimmte Arten von Aufträgen zusammen. Manche Vermittler verwenden eine bestimmte Kassette sogar als Erkennungszeichen für Treffen.

Grosse Labels versuchen, den Markt zu kontrollieren, indem sie offizielle Star-Mixtapes veröffentlichen. Diese Produkte wirken bewusst handgemacht, werden jedoch von Marketingabteilungen, Datenanalysten und Markenanwälten zusammengestellt.

Heimvideokonsolen

Videospiele gehören zur Grundausstattung vieler Haushalte. Die grössten Anbieter sind Sunny und Macrosoft.

Sunny-Konsolen gelten als bunt, schnell und zugänglich. Ihre Spiele richten sich an Familien, Jugendliche und Gelegenheitsspieler. Rennspiele, Sporttitel, Kampfspiele und Lizenzprodukte mit bekannten Stars dominieren das Angebot. Erfolgreiche Filme erhalten fast immer eine Sunny-Umsetzung, häufig noch bevor sie im Kino starten.

Macrosoft richtet sich stärker an Technikbegeisterte und ambitionierte Spieler. Die Systeme sind modular, netzwerkfähig und können mit Spezialcontrollern, Datenhandschuhen und einfachen neuralen Schnittstellen erweitert werden. Strategiespiele, Flugsimulationen, Wirtschaftsprogramme und taktische Gefechtssimulationen bilden den Kern des Angebots.

Beide Konzerne behaupten, Spiele förderten Reaktion, Planung und Teamarbeit. Blackridge und mehrere Runneragenturen nutzen tatsächlich modifizierte kommerzielle Spiele zur Vorauswahl von Rekruten. Wer über Jahre virtuelle Feuerteams geführt hat, besitzt noch keine Kampferfahrung. Er versteht aber möglicherweise bereits Deckungswinkel, Nachschubprobleme und die Bedeutung funktionierender Kommunikation.

Spielhallen bleiben besonders in ärmeren Bezirken verbreitet. Dort stehen schwere Automaten mit Lenkrädern, Lichtpistolen, Bewegungsplattformen oder verbundenen Cockpits. Turniere ziehen Zuschauer, Buchmacher und Talentsucher an. Einige professionelle Spieler erhalten Sponsorenverträge, andere werden direkt von Drohnenfirmen oder Sicherheitsdiensten angeworben.

Nachtleben

Angel City schläft nicht, weil Schlaf keine verlässliche Rendite erzeugt. Nachtclubs, Bars, Karaokehäuser, Kasinos, Tanzhallen, Strandpartys und private Lounges ziehen jede Nacht Millionen Menschen an.

Starline bietet die spektakulärsten Clubs. Dort treten Musikstars auf, neue Virtus werden vorgestellt und bekannte Schauspieler lassen sich möglichst zufällig fotografieren. Der Eintritt ist teuer, die Getränke sind überteuert und jede sichtbare Fläche trägt ein Sponsorenlogo.

In Kamimachi dominieren Karaokeclubs, Spielhallen, Hostessenbars und private Gesellschaftsräume. Koreatown Vertical bietet mehrstöckige Clubs, in denen jede Ebene eine andere Musik, Kleidung und Kundschaft besitzt. Im Neon Mercado finden Strassenfeste, Tanzveranstaltungen und improvisierte Konzerte statt. In den Freeway Kingdoms treffen sich Motorradcrews, Autoclubs und mobile Partys auf Parkdecks, Tankstellen und verlassenen Fahrspuren.

Ärmere Bezirke sind nicht weniger lebendig. Lagerhallen, leerstehende Einkaufszentren und Werkstätten werden nachts zu Clubs. Eintritt wird in Bargeld, Alkohol, Munition oder Gefallen bezahlt. Die Musik ist lauter, die Sicherheitskontrollen sind schwächer und die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Zwischenfalls deutlich höher.

Gerade deshalb gelten diese Veranstaltungen als authentisch.

Legale Drogen

Drogen sind in den Incorporated States grundsätzlich legal, solange Herstellung, Verkauf und Werbung den geltenden Vertrags- und Produkthaftungsregeln entsprechen. Die Regierung überlässt erwachsenen Bürgern die Entscheidung, welche Substanzen sie konsumieren. Hersteller übernehmen Kennzeichnung, Dosierung und gegebenenfalls medizinische Betreuung.

Partydrogen werden offen in Clubs, Apotheken, Automaten und spezialisierten Geschäften verkauft. Das Angebot reicht von milden Stimulanzien und Euphorika bis zu starken Halluzinogenen, Empathieverstärkern und chemischen Wachmachern.

Markenprodukte gelten als vergleichsweise sicher. Verpackungen nennen Wirkung, Dauer, empfohlene Dosierung und mögliche Wechselwirkungen mit Cyberware oder Medikamenten. Premiumclubs beschäftigen eigene Drogenspezialisten, die Mischungen auf Körpergewicht, Implantate und gewünschten Effekt abstimmen.

Günstige Strassenprodukte sind weniger verlässlich. Sie enthalten wechselnde Wirkstoffe, industrielle Zusätze oder gestreckte Restbestände. Da der Besitz legal ist, konzentrieren sich Konflikte vor allem auf Markenpiraterie, vergiftete Chargen und nicht bezahlte Lieferungen.

Unternehmen nutzen Drogen auch gezielt. Wachmacher erhöhen die Leistung in langen Schichten. Beruhigungsmittel helfen nach belastenden Einsätzen. Kontaktförderer werden bei Verkaufstrainings und Konzernveranstaltungen eingesetzt. Manche Arbeitsverträge erlauben regelmässige Tests nicht, um Konsum zu verhindern, sondern um sicherzustellen, dass Beschäftigte nur zugelassene Produkte verwenden.

Freiheit bedeutet, selbst zu entscheiden, was man einnimmt. Verantwortung bedeutet, die Folgen privat zu versichern.

Sport und Wettkampf

Klassische Sportarten wie Football, Baseball, Basketball, Boxen und Motorsport bleiben populär. Sie wurden jedoch schneller, härter und stärker kommerzialisiert.

Cyberware ist in vielen Ligen erlaubt, solange sie registriert und für alle Teams grundsätzlich erhältlich ist. Dadurch entstanden unterschiedliche Wettkampfklassen für natürliche Athleten, begrenzt modifizierte Spieler und offene Cyberdivisionen. Besonders die offenen Ligen ziehen hohe Zuschauerzahlen an. Dort konkurrieren verstärkte Boxer, beschleunigte Rennfahrer und Footballspieler mit subdermaler Panzerung.

Motorsport besitzt in Angel City besondere Bedeutung. Strassenrennen, Wüstenrallyes und bewaffnete Fahrzeugwettbewerbe werden professionell übertragen. Illegale Rennen unterscheiden sich von offiziellen Veranstaltungen hauptsächlich dadurch, dass Streckenführung und Zuschauer nicht vollständig versichert sind.

Auch Runner treten in Sport- und Unterhaltungsshows auf. Schiesswettbewerbe, Hindernisparcours, Drohnenduelle und simulierte Extraktionen dienen gleichzeitig als Unterhaltung, Werbung und Rekrutierung.

Festivals

Grossveranstaltungen verbinden Musik, Konsum und kontrollierten Ausnahmezustand. Das bekannteste Festival der Westküste ist Mojave Hell.

Einmal im Jahr verwandelt sich ein abgegrenzter Teil der Mojave in eine gewaltige Zeltstadt aus Bühnen, Fahrzeuglagern, mobilen Kliniken und leuchtenden Werbetürmen. Mehrere Tage lang treten Rockbands, Metalgruppen, DJs und bekannte Stars auf. Rocco Rock gehört zu den regelmässigen Hauptacts.

Neben den Konzerten gibt es Motorradrennen, Wüstenrallyes, Schiesswettbewerbe, Cyberwarevorführungen, Virtu-Zelte und riesige Verkaufsbereiche. Drogenhersteller präsentieren neue Produkte, Waffenfirmen veranstalten Probeschiessen und Fahrzeugkonzerne lassen Besucher Prototypen über abgesperrte Wüstenstrecken fahren.

Mojave Hell gilt als Ort vollständiger Freiheit. Tatsächlich ist das Gelände in Vertragszonen aufgeteilt. Veranstalter, Sicherheitsfirmen und Sponsoren besitzen jeweils eigene Rechte und Haftungsbedingungen. Besucher akzeptieren beim Eintritt umfangreiche Haftungsausschlüsse und können zusätzliche medizinische, juristische oder Bergungspakete buchen.

Trotzdem kommt es jedes Jahr zu Bränden, Schiessereien, Überdosierungen, verschwundenen Besuchern und mindestens einem spektakulären Fahrzeugunglück. OmniStar berichtet live. Die Veranstalter veröffentlichen anschliessend verbesserte Sicherheitsoptionen für das nächste Jahr.

Freizeit nach Lebensstil

Nicht jeder Bürger erlebt dieselbe Freizeit.

Menschen mit prekärem Lebensstil treffen sich auf Strassenfesten, in billigen Bars, Werkstätten, Spielhallen oder improvisierten Clubs. Unterhaltung ist gemeinschaftlich, laut und häufig nur schwach abgesichert.

Ein niedriger Lebensstil ermöglicht regelmässige Kinobesuche, Heimvideospiele, lokale Konzerte und gelegentliche Kurzreisen. Viele Angebote werden über Kredite, Arbeitgeberprogramme oder Abonnements finanziert.

Gehobene Bürger besitzen Zugang zu exklusiven Clubs, Premium-Virtus, sicheren Resorts und veranstalteten Abenteuerreisen. Sie buchen persönliche Trainer, private Logen und medizinisch überwachte Drogenpakete.

Luxuriöse Freizeit bedeutet vor allem Exklusivität. Stars treten auf privaten Feiern auf, Virtus werden individuell produziert und ganze Inseln, Rennstrecken oder Orbitalmodule können für einzelne Veranstaltungen gemietet werden.

Die Reichen kaufen nicht einfach bessere Unterhaltung. Sie kaufen die Gewissheit, dass niemand anderes dieselbe Erfahrung erhält.

Runner in ihrer Freizeit

Runner leben oft zwischen zwei Aufträgen, zwei Verletzungen und zwei unbezahlten Rechnungen. Ihre Freizeit ist entsprechend intensiv. Viele geben Geld schnell aus, weil sie nicht wissen, wann der nächste Auftrag kommt oder ob sie ihn überleben.

Beliebt sind Bars, Schiessstände, Werkstätten, Spielhallen, Autotreffen, Kampfveranstaltungen und Clubs, in denen Waffenbesitz niemanden nervös macht. Runner besuchen Festivals, investieren in Fahrzeuge, sammeln Mixtapes oder verfolgen Shows über andere Runner.

Einige meiden Unterhaltung, die sie an ihre Arbeit erinnert. Andere sehen jeden Actionfilm, jede Folge von Living on the Edge und jede Übertragung aus einer Kampfzone.

Wer Gewalt beruflich ausübt, sucht in der Freizeit nicht zwingend Ruhe. Manchmal sucht er nur eine Form von Gefahr, bei der vorher feststeht, wer die Rechnung bezahlt.

The image depicts a post-apocalyptic urban setting with a damaged cityscape, two armed individuals in military gear, and a military vehicle, dated May 17, 1987, at 7:42 PM. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Technologie

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Die Technik des Jahres 20XX ist leistungsfähig, aber nicht unsichtbar. Computer steuern Fabriken, künstliche Intelligenzen koordinieren Verkehrsnetze und Cyberware verbindet Maschinen direkt mit dem Nervensystem. Trotzdem besitzen Geräte weiterhin Tasten, Kabel, Lüfter, Anzeigen und austauschbare Bauteile.

Technik ist etwas, das man anfassen, öffnen, reparieren und notfalls mitnehmen kann. Daten liegen auf Speichermodulen, Programme werden auf Kassetten verkauft und ein abgeschalteter Rechner bleibt abgeschaltet. Viele Systeme sind miteinander verbunden, aber längst nicht alles hängt ständig am Netz.

Die Zukunft ist angekommen. Sie wiegt nur mehr, als man erwartet hatte.

Zukunft zum Anfassen

Geräte des Jahres 20XX sind robust, kantig und deutlich als Maschinen erkennbar. Gehäuse bestehen aus Kunststoff, Metall und Gummi. Kontrollleuchten zeigen Betriebszustände an, Lüfter rauschen und Laufwerke klicken hörbar, wenn sie Daten lesen.

Ein hochwertiges Gerät kann Jahrzehnte überstehen. Es lässt sich öffnen, reinigen und mit neuen Modulen erweitern. In Werkstätten werden Platinen gelötet, Speicher ausgetauscht und Anschlüsse an Systeme angepasst, deren Hersteller längst nicht mehr existieren.

Neue Technik ist komfortabler und leistungsfähiger, aber nicht zwangsläufig haltbarer. Viele Konzerne verwenden eigene Anschlüsse, verschlüsselte Ersatzteile und kostenpflichtige Softwarelizenzen, um Kunden an ihre Produkte zu binden. Ältere Geräte sind oft grösser und langsamer, lassen sich dafür aber ohne Zustimmung des Herstellers reparieren.

In den wohlhabenden Bezirken werden Geräte regelmässig ersetzt. In freien Zonen funktionieren ganze Haushalte mit Computern, Bildschirmen und Haushaltsmaschinen aus verschiedenen Jahrzehnten, die durch improvisierte Adapter und blanke Kabel miteinander verbunden sind.

Computer und Terminals

Computer sind überall, aber nur selten universell einsetzbar. Die meisten Geräte wurden für bestimmte Aufgaben entwickelt: Büroarbeit, Produktionssteuerung, Buchhaltung, Unterhaltung oder technische Berechnungen.

Ein Arbeitsplatzterminal besteht gewöhnlich aus einem Bildschirm, einer Tastatur und einem angeschlossenen Rechner oder Zugang zu einem lokalen Serversystem. In Büros stehen die Geräte in langen Reihen. In Werkstätten befinden sie sich in staubgeschützten Gehäusen. Öffentliche Terminals findet man in Bibliotheken, Hotels, Flughäfen und Einkaufszentren.

Tragbare Computer existieren, doch selbst kompakte Modelle füllen eine Aktentasche und wiegen mehrere Kilogramm. Sie besitzen kleine Bildschirme, kurze Akkulaufzeiten und häufig ausklappbare Tastaturen. Leistungsfähige Modelle werden vor allem von Technikern, Journalisten, Geschäftsleuten und Hackern verwendet.

Unternehmen betreiben eigene Rechnerzentren für Verwaltung, Forschung und Produktion. Diese Systeme bestehen aus Serverschränken, Kabelbündeln, Kühlsystemen und schweren Wartungsterminals. Je wichtiger ein Rechner ist, desto unwahrscheinlicher besitzt er einen direkten Zugang zum öffentlichen Netz.

Dataphones

Das Dataphone ist das wichtigste persönliche Gerät des Jahres 20XX. Es ersetzt Telefon, Funkgerät, Pager, Terminplaner, einfachen Computer, Datenspeicher und elektronische Geldbörse.

Dataphones gibt es als tragbare Geräte oder implantierte Systeme. Tragbare Modelle besitzen einen kleinen Bildschirm, eine sichtbare Antenne und eine Tastatur oder ein Nummernfeld. Einige lassen sich aufklappen, andere werden am Gürtel getragen oder in ein Fahrzeugterminal eingesetzt.

Ein Dataphone kann Gespräche führen, Nachrichten empfangen, Adressen speichern, einfache Netzseiten anzeigen und kleinere Datenmengen übertragen. Je nach Modell kann es ausserdem Zahlungen bestätigen, Geräte steuern, Bilder aufnehmen oder als Verbindung zwischen Cyberware und anderen persönlichen Systemen dienen.

Trotz dieser Möglichkeiten ist ein Dataphone kein vollständiger Ersatz für einen Arbeitsplatzrechner. Der Bildschirm ist klein, die Bedienung umständlich und längere Arbeiten verbrauchen viel Energie. Für umfangreiche Texte, technische Zeichnungen oder ernsthaftes Hacking wird das Gerät deshalb mit einer Dockingstation verbunden.

Jeder gewöhnliche Zugang zum öffentlichen Netz läuft über ein persönliches Dataphone. Das Gerät liefert Nutzerkonto, Adresse und Verbindung. Öffentliche Bildschirme und Terminals stellen meist nur die notwendige Peripherie bereit.

Dockingstations

Dockingstations verbinden ein Dataphone mit grösseren Bildschirmen, Tastaturen, Druckern, Speichern und leistungsfähigeren Datenleitungen. Sie stehen in Wohnungen, Büros, Bars, Motels, Werkstätten und Fahrzeugen.

Eine einfache Station besteht aus einem Telefonhörer, einer Tastatur und einem kleinen Röhrenmonitor. Hochwertige Arbeitsplätze besitzen mehrere Bildschirme, Grafiktabletts, Speicherschächte und Anschlüsse für Kameras, Messgeräte oder Cyberware.

Dockingstations haben gewöhnlich kein eigenes öffentliches Nutzerkonto. Erst das angeschlossene Dataphone stellt die persönliche Verbindung her. Dadurch kann ein Nutzer an unterschiedlichen Orten auf seine Nachrichten, Verträge und Netzdienste zugreifen.

Firmenterminals funktionieren anders. Sie können direkt mit einem internen Netz verbunden sein und verlangen Zugangskarten, Passwörter oder biometrische Bestätigung. Ein persönliches Dataphone dient dort häufig nur als zusätzlicher Identifikationsnachweis.

Datenspeicher

Daten sind in 20XX nicht nur Informationen. Sie sind Gegenstände.

Programme, Akten, Musik und Filme werden auf Kassetten, Disks, Datenchips und austauschbaren Speichermodulen transportiert. Grösse, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit unterscheiden sich erheblich. Manche Medien passen in eine Jackentasche, während umfangreiche Archive mehrere schwere Speicherkoffer füllen.

Datenkassetten sind günstig, robust und langsam. Sie werden für Musik, Sicherungskopien und grosse, selten benötigte Datenbestände verwendet.

Disks sind schnell beschreibbar und weit verbreitet. Sie speichern Dokumente, Programme und kleinere Datenbanken, sind jedoch empfindlich gegen Schmutz, Hitze und Magnetfelder.

Datenchips sind klein, teuer und langlebig. Sie werden für Zugangsschlüssel, vertrauliche Dokumente und wertvolle Programme verwendet.

Speichermodule enthalten grössere Datenmengen und werden direkt in Computer, Fahrzeuge oder Cyberdecks eingesetzt. Viele Hersteller verwenden eigene Bauformen und Kopierschutzsysteme.

Physische Datenträger können gestohlen, vertauscht, vernichtet oder in einem Bankschliessfach verborgen werden. Eine Datei, die niemals mit einem Netz verbunden war, lässt sich nicht aus der Ferne hacken. Das macht Kurierdienste, Datendiebstahl und Einbrüche weiterhin unverzichtbar.

Unterhaltungselektronik

Fernsehen ist das wichtigste Massenmedium der Incorporated States. Ein durchschnittlicher Haushalt besitzt mehrere Bildschirme, einen Videorekorder und wenigstens ein Gerät für kostenpflichtige Programme.

Filme und Serien werden über Kabel, lokale Sender oder Dienste wie OmniWatch empfangen. Beliebte Sendungen werden auf Videokassetten aufgezeichnet, kopiert und weitergegeben. Limitierte Ausgaben, ungeschnittene Fassungen und verbotene Mitschnitte erzielen hohe Preise.

Musik wird auf Kassetten, Schallplatten, Disks und digitalen Tonmodulen verkauft. Tragbare Kassettenspieler gehören zum Strassenbild. Mixtapes werden verschenkt, getauscht oder als persönliche Visitenkarte zusammengestellt. Clubs und Radiosender verbreiten Mitschnitte neuer Künstler häufig lange vor deren offiziellen Veröffentlichungen.

Heimvideokonsolen von Sunny, Nakamura und Macrosoft verbinden sich mit Fernsehern oder eigenen Bildschirmgeräten. Spiele werden auf Modulen, Disks oder Kassetten verkauft. Mehrspielerverbindungen sind über lokale Kabel, Dataphones oder Netzdienste möglich, doch schnelle Spiele funktionieren am zuverlässigsten, wenn alle Teilnehmer in derselben Stadt sitzen.

Spielhallen bleiben deshalb populär. Dort stehen Maschinen mit leistungsfähiger Hardware, grossen Bildschirmen und speziellen Steuerungen. Rennspiele besitzen vollständige Cockpits, Tanzspiele druckempfindliche Böden und Flugsimulatoren mehrere Bildschirme mit hydraulischen Sitzen.

Virtus

Virtus sind virtuelle Filme, die nicht nur gesehen und gehört, sondern direkt über einen Neuralprozessor erlebt werden. Sie übertragen aufgezeichnete Sinneseindrücke, Bewegungsgefühle und begrenzte emotionale Reaktionen.

Einfache Virtus lassen den Nutzer ein Konzert aus der Perspektive des Sängers erleben oder eine Achterbahnfahrt nachfühlen. Aufwendige Produktionen verbinden Film, Spiel und körperliche Wahrnehmung. Der Nutzer kann eine Verfolgungsjagd erleben, eine fremde Stadt besuchen oder für neunzig Minuten wie ein Actionstar kämpfen.

Virtus ersetzen gewöhnliche Filme nicht. Sie sind teuer, technisch anspruchsvoll und anstrengend. Viele Menschen empfinden längere Aufzeichnungen als unangenehm oder verlieren nach dem Ende kurzzeitig das Gefühl für den eigenen Körper.

Illegale Virtus enthalten ungefilterte Gewalt, Drogenzustände oder echte Erinnerungsaufzeichnungen. Manche wurden bei Verbrechen, Kämpfen oder Unfällen aufgenommen. Der Handel mit solchen Aufzeichnungen ist lukrativ und nur schwer vollständig zu kontrollieren.

The image depicts an immersive cinematic experience where viewers feel the film's visuals, sound, touch, and emotions directly through their nervous system, with options for adventure, romance, and luxury. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Intelligente Haushalte

Haushaltsgeräte sind stärker automatisiert als in früheren Jahrzehnten, bleiben jedoch auf ihre jeweilige Aufgabe beschränkt. Kühlschränke überwachen Vorräte, Klimaanlagen lernen Tagesabläufe und Küchenautomaten bereiten gespeicherte Rezepte zu.

Ein intelligenter Haushalt verbindet diese Geräte über ein lokales System. Licht, Temperatur, Unterhaltung und Sicherheit können von einem Wandterminal oder Dataphone aus gesteuert werden. Hochwertige Anlagen erkennen Bewohner über Zugangskarten, Stimmen oder persönliche Geräte.

Nakamura Home Systems verkauft vollständige Pakete aus Kühlschrank, Klimaanlage, Whirlpool, Unterhaltung und Sicherheitssteuerung. Geräte desselben Herstellers arbeiten zuverlässig zusammen. Produkte verschiedener Marken benötigen oft Adapter oder teure Schnittstellen.

Die Systeme sind nützlich, aber nicht allwissend. Ein Kühlschrank weiss, dass die Milch fehlt, aber nicht, weshalb niemand sie bestellt hat. Ein Küchenautomat kann einhundert Gerichte zubereiten und trotzdem daran scheitern, dass eine Verpackung falsch eingesetzt wurde.

Haushaltstechnik sammelt umfangreiche Nutzungsdaten. Hersteller erfahren, welche Produkte verwendet werden, wann Bewohner zu Hause sind und welche Geräte bald ersetzt werden müssen. Günstige Verträge finanzieren sich häufig durch Werbung, Produktbindung und die Auswertung dieser Informationen.

Fahrzeuge und Verkehr

Moderne Fahrzeuge besitzen Navigationscomputer, elektronische Anzeigen und automatische Diagnoseprogramme. Hochwertige Modelle können selbstständig parken, auf kontrollierten Fahrspuren fahren oder einer vorgegebenen Route folgen.

Vollständig autonome Fahrzeuge existieren, sind aber vor allem in abgesperrten Konzernzonen, Häfen und Industrieanlagen zuverlässig. Im offenen Verkehr stören Baustellen, zerstörte Sensoren, manipulierte Signale und menschliche Fahrer den automatischen Betrieb.

Die meisten Menschen steuern ihre Fahrzeuge deshalb weiterhin selbst. Navigationssysteme geben Anweisungen, melden Staus und warnen vor gefährlichen Bezirken. Fahrzeugtelefone und Dataphone-Docks gehören zur Standardausstattung besserer Modelle.

Verkehrsleitsysteme koordinieren Ampeln, Mautstellen und kontrollierte Fahrspuren. Konzernbezirke können bevorzugte Routen für zahlende Kunden freigeben oder bestimmte Fahrzeuge automatisch umleiten. In freien Zonen enden diese Dienste häufig zusammen mit der letzten funktionierenden Strassenkamera.

Roboter

Roboter übernehmen schwere, gefährliche und monotone Arbeiten. Sie verladen Fracht, reinigen Gebäude, schweissen Fahrzeugteile und kontrollieren Rohrleitungen. In wohlhabenden Haushalten erledigen sie einfache Reinigungs- und Servicetätigkeiten.

Die meisten Roboter sind spezialisierte Maschinen. Ein Lagerroboter kann Container bewegen, aber keine Wohnung reinigen. Ein Haushaltsroboter kann Wäsche falten, aber nicht selbstständig entscheiden, welche Kleidung zu einer Veranstaltung passt.

Serviceroboter verwenden gespeicherte Abläufe und begrenzte Spracherkennung. Sie können Fragen beantworten, Bestellungen aufnehmen und bekannte Probleme melden. Ihre scheinbare Persönlichkeit besteht meist aus vorgefertigten Stimmen, Reaktionen und Höflichkeitsprogrammen.

Sicherheitsroboter und Drohnen sind deutlich gefährlicher. Sie patrouillieren festgelegte Bereiche, erkennen Zugangskarten und verfolgen markierte Ziele. Ihre Entscheidungen werden durch klare Einsatzregeln begrenzt. Wer diese Regeln verändert, macht aus einem Wachgerät sehr schnell eine automatische Waffe.

Künstliche Intelligenzen

Künstliche Intelligenzen verwalten Verkehrsflüsse, Produktionsketten, Finanzmärkte und grosse Datenarchive. Sie erkennen Muster, erstellen Prognosen und treffen in klar definierten Bereichen bessere Entscheidungen als Menschen.

Eine KI ist jedoch kein unsichtbarer Geist, der frei durch jedes Netz wandert. Leistungsfähige Systeme benötigen grosse Rechneranlagen, Wartungspersonal und erhebliche Energie. Sie arbeiten innerhalb bestimmter Datenbestände, Zugriffsrechte und Aufgaben.

Konzerne sprechen gerne von digitalen Beratern oder elektronischen Mitarbeitern. Tatsächlich besitzen viele Systeme keine eigene Persönlichkeit. Sie beantworten Fragen, priorisieren Aufgaben und erzeugen verständliche Berichte, ohne menschlich zu denken.

Einige hoch entwickelte KIs können Gespräche führen, langfristige Strategien entwickeln und scheinbar persönliche Vorlieben zeigen. Ob sie dabei wirklich bewusst sind oder lediglich überzeugend reagieren, ist unter Wissenschaftlern, Juristen und Versicherern umstritten.

Für Unternehmen ist diese Frage meist zweitrangig. Entscheidend ist, wem die Anlage gehört, wer ihre Entscheidungen haftungsrechtlich absichert und ob die Lizenzgebühren bezahlt wurden.

Reparieren, umbauen und weiterverkaufen

Technik wird in 20XX selten vollständig aufgegeben. Geräte wandern durch Haushalte, Firmen, Pfandhäuser und Werkstätten. Ein ausgemusterter Konzernrechner kann Jahre später in einer Hinterhofklinik stehen. Ein altes Dataphone erhält einen neuen Sender, eine stärkere Batterie und eine unbekannte Gerätekennung.

Hersteller veröffentlichen offizielle Ersatzteile und zertifizierte Erweiterungen. Daneben existiert ein riesiger Markt für Nachbauten, gebrauchte Module und nicht genehmigte Umbauten. Manche verbessern ein Gerät. Andere machen es lediglich schneller, lauter oder gefährlicher.

Techniker geniessen deshalb hohes Ansehen. Wer einen alten Rechner reparieren, eine japanische Schnittstelle mit einem amerikanischen Terminal verbinden oder die Sicherheitssperre eines Fahrzeugcomputers umgehen kann, findet überall Arbeit.

Ein neues Gerät lässt sich kaufen. Ein gutes altes Gerät braucht jemanden, der weiss, wo man mit dem Schraubenzieher ansetzen muss.

Technik als Status

Geräte zeigen, zu welcher Welt jemand gehört. Ein Manager trägt ein schlankes Crownwell-Dataphone mit vergoldeten Tasten. Ein Aegis-Techniker verwendet violette Bildschirmgläser und mehrere verschlüsselte Speichermodule. Ein Blackridge-Sicherheitsmann besitzt ein stossfestes Gerät mit militärischem Funkanschluss.

Billige Produkte tragen auffällige Logos, spielen Werbung ab und übermitteln umfangreiche Nutzungsdaten. Teurere Geräte besitzen bessere Materialien, längere Garantien und die Möglichkeit, Werbung gegen zusätzliche Gebühren abzuschalten.

Wohlstand zeigt sich nicht nur durch modernere Technik. Er zeigt sich durch Kontrolle. Reiche Kunden besitzen Geräte, deren Funktionen ihnen vollständig gehören. Arme Kunden verwenden Produkte, die weiterhin dem Hersteller, Arbeitgeber oder Kreditgeber gehorchen.

Technik für Runner

Runner nutzen Technik nicht nur. Sie zerlegen, täuschen und missbrauchen sie.

Ein Dataphone kann zugleich Kommunikationsmittel, falsche Identität und belastendes Beweismittel sein. Ein Speichermodul kann wertvoller als der Rechner sein, in dem es steckt. Ein Haushaltsroboter kann eine Tür öffnen, ein Fahrzeugterminal eine Fluchtroute verraten und ein alter Videorekorder den einzigen Mitschnitt eines Treffens enthalten.

Das macht Technik zu einem Teil des Einsatzes. Geräte müssen gefunden, an gestohlen oder vor Ort manipuliert werden. Nicht jedes Problem lässt sich aus sicherer Entfernung lösen.

Das Netz in 20XX

The image depicts a retro computer setup with a bulky monitor, keyboard, and typewriter, and a person wearing dark clothing, suggesting a retro, dystopian or cyberpunk aesthete. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Das Netz ist kein einheitliches, überall offenes Internet. Es besteht aus mehreren übereinanderliegenden Schichten mit unterschiedlichen Zugängen, Standards und Sicherheitsstufen.

Die meisten Bürger erleben nur die Oberfläche ihres Providers. Dahinter liegen lokale Firmen-, Gebäude- und Personennetze, die deutlich stärker abgeschottet sind.

Aufbau des Netzes

Öffentliche Netzdienste

Die sichtbare Oberfläche besteht aus grossen Diensten wie Aegis Online, OmniStar Network oder Nakamura HomeNet. Sie bieten Nachrichten, Mailboxen, Foren, Kleinanzeigen, Spiele, Finanzdienste und persönliche Präsenzen. Die Nutzer wählen sich über Modem, Kabel, Funk oder öffentliche Terminals ein. Meist landen sie zunächst im geschlossenen Angebot ihres Providers. Der Wechsel in andere Netze ist möglich, aber langsam, teuer und nicht immer kompatibel. Diese Schicht ist kommerziell, überwacht und voller Werbung. Sie eignet sich für Recherche, Kommunikation, Betrug, Kontenmanipulation und Informationsbeschaffung.

Offene Informationsnetze

Zwischen den grossen Providern liegen Verzeichnisse, Datenbanken, Mailboxsysteme und frei erreichbare Server. Dort finden sich Firmenpräsenzen, öffentliche Register, Kleinanzeigen, Fanclubs, politische Gruppen und private Seiten. Suchmaschinen im modernen Sinn existieren kaum. Nutzer arbeiten mit redaktionellen Katalogen, Verzeichnissen, Empfehlungen und direkten Adressen. Wer nicht eingetragen ist, bleibt schwer auffindbar. Diese offene Schicht ist unübersichtlich, fragmentiert und voller veralteter Daten. Genau deshalb eignet sie sich hervorragend für falsche Identitäten, tote Briefkästen und versteckte Angebote.

Geschlossene Firmennetze

Konzerne betreiben eigene interne Netze für Personal, Kommunikation, Produktion, Forschung und Verwaltung. Diese Systeme sind nicht frei aus dem öffentlichen Netz erreichbar. Ein öffentlicher Zugang führt höchstens zu einem kontrollierten Gateway. Wirklich sensible Daten liegen dahinter in lokalen oder regionalen Netzen. Hier beginnen die meisten ernsthaften Netzhacks.

Lokale Einsatznetze

Gebäude, Fahrzeuge, Fabriken, Sicherheitsanlagen und Drohnen bilden lokale Netze. Sie verbinden Kameras, Türen, Sensoren, Terminals, Geschütze und Steuergeräte. Diese Systeme sind räumlich begrenzt und meist nur vor Ort oder über kurze Funkstrecken erreichbar. Dadurch bleibt Hacking ein Teil des Einsatzes und ersetzt nicht den physischen Einbruch. Ein Runner kann von aussen Informationen sammeln. Um Türen, Kameras oder Geschütze zu kontrollieren, muss er jedoch in das lokale Netz gelangen.

Persönliche Netze

Neuralprozessor, Dataphone, Cyberware, Smartwaffen und persönliche Sensoren bilden ein kleines eigenes Netzwerk um eine Person. Dieses persönliche Netz ist das direkte Ziel von Cyberware-Hacks. Der Hacker greift also nicht abstrakt ein Implantat an, sondern dringt in das persönliche System ein und manipuliert angeschlossene Komponenten.

Isolierte Systeme

Besonders sensible Anlagen bleiben vollständig getrennt. Militärtechnik, Forschungsserver, strategische Infrastruktur und kritische Steuerungen besitzen keinen dauerhaften Zugang zum öffentlichen Netz. Ein Angriff erfordert direkten Kontakt, ein Kabel, ein Wartungsgerät oder eine zuvor eingeschleuste Hardware. Je wertvoller das Ziel, desto näher muss der Hacker heran.

Schwarze Netze

Neben den offiziellen Schichten existieren Piratennetze, illegale BBS, Funkknoten, Dead-Drop-Server und wechselnde Schattennetze. Sie verbinden Schmuggler, Runner, Datenhehler, politische Gruppen und unabhängige Techniker. Solche Netze sind schwer zu finden, unzuverlässig und oft infiltriert. Ihre grösste Stärke ist nicht technische Überlegenheit, sondern fehlende Zuständigkeit.

Populäre Netzseiten

Die meisten Bürger bewegen sich nur innerhalb weniger grosser Netzdienste. Dort lesen sie Nachrichten, verwalten ihre Konten, suchen Arbeit, kaufen ein und streiten mit Fremden über Waffen, Musik oder die richtige Fütterung eines Kampfhundes.

Eine Netzseite wird selten über eine Suchmaschine gefunden. Nutzer folgen Einträgen in redaktionellen Verzeichnissen, Werbeanzeigen, Empfehlungen oder direkt eingegebenen Adressen. Erfolgreiche Seiten sind deshalb entweder Teil eines grossen Providers oder bezahlen dafür, in dessen Katalog weit oben zu erscheinen.

Der Begriff Netzseite wird dabei grosszügig verwendet. Manche Angebote bestehen nur aus einigen Informationsseiten und einer Mailbox. Andere bilden eigene Netzwelten mit Nachrichtenkanälen, Handelsplätzen, Diskussionsräumen und kostenpflichtigen Diensten. Der Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern ist möglich, aber nicht immer schnell, günstig oder technisch sauber.

Aegis Online

Aegis Online ist der grösste allgemeine Netzdienst der Incorporated States. Unternehmen, Behörden, Freiberufler und wohlhabende Privatkunden nutzen ihn für Nachrichten, elektronische Post, Finanzinformationen, Datenübertragung und geschäftliche Kontakte.

Die Oberfläche ist nüchtern, dicht und voller Menüs. Neue Nutzer fühlen sich schnell verloren, während erfahrene Anwender mit wenigen Befehlen Firmenregister, Börsenkurse, öffentliche Akten und Branchenverzeichnisse durchsuchen können. Viele Arbeitgeber und Geschäftspartner erwarten eine bestätigte Aegis-Adresse. Anonyme oder vorausbezahlte Konten besitzen deutlich weniger Funktionen.

Zu Aegis Online gehören:

  • Aegis Mail für elektronische Nachrichten und Datenanhänge

  • Business Directory mit Firmen, Führungskräften und Geschäftskontakten

  • JobBoard für Stellenangebote und freie Auftragnehmer

  • MarketWatch mit Kursen, Unternehmensmeldungen und Rohstoffpreisen

  • Public Records mit öffentlich zugänglichen Registern

  • Secure Transfer für verschlüsselte Geschäftsdaten

Aegis Online gilt als zuverlässig und sicher. Es gilt ebenso als praktisch unmöglich, dort vollständig zu verschwinden. Gelöschte Nachrichten, alte Profile und frühere Zugriffe können noch Jahre später in Sicherungen oder Diagnosearchiven liegen.

OmniStar Network

Das OmniStar Network verbindet Nachrichten, Fernsehen, Film, Musik, Werbung und Fanclubs in einem einzigen Unterhaltungsdienst. Seine Startseiten sind laut, bunt und ständig in Bewegung. Trailer starten automatisch, Moderatoren begrüssen den Nutzer mit Namen und beinahe jede Fläche führt zu einem Produkt, einem Abonnement oder einer Abstimmung.

Über OmniWatch können Kunden mehr als zweihundert Fernsehkanäle abrufen. OmniNews liefert Nachrichten, StarTalk verbindet Zuschauer mit moderierten Fanräumen und MusicBox verkauft Singles, Konzertmitschnitte und digitale Mixtapes. Auf Angel Stars Online erscheinen täglich Gerüchte, Paparazzibilder und angeblich exklusive Interviews.

OmniStar passt Inhalte an das Profil des Zuschauers an. Zwei Nutzer können dasselbe Ereignis mit unterschiedlichen Schlagzeilen, Bildern und Experten sehen. Der Konzern bezeichnet das als persönliche Relevanz. Kritiker verwenden andere Begriffe, werden aber selten zu den grossen Diskussionssendungen eingeladen.

Nakamura HomeNet

Nakamura HomeNet ist der familienfreundliche Netzdienst für Haushalt, Lernen, Einkaufen und Unterhaltung. Er ist auf Nakamura-Terminals vorinstalliert und verbindet Fernseher, Küchenautomaten, Klimaanlagen, Haushaltsroboter und Spielkonsolen miteinander.

Die Bedienung ist einfach, farbig und weitgehend symbolgestützt. Kinder können Lernprogramme starten, Eltern Rechnungen bezahlen und Haushaltsgeräte melden selbstständig, wenn sie Wartung oder neue Verbrauchsmittel benötigen. Über Shop@Home lassen sich Lebensmittel und Geräte bestellen, während DeviceCare Fehlerdiagnosen durchführt und bei Bedarf einen Servicetechniker bucht.

HomeNet lernt aus den Gewohnheiten seiner Nutzer. Es weiss, wann eine Familie aufsteht, was sie isst, welche Programme sie sieht und wann ein Gerät wahrscheinlich ersetzt werden muss. Daraus entstehen ausgesprochen passende Angebote. Dass manche Nutzer Produkte angezeigt bekommen, bevor sie selbst wissen, dass sie sie benötigen, gilt als besondere Stärke des Dienstes.

Liberty Directory

Liberty Directory ist das wichtigste Verzeichnis der offenen Netze. Es handelt sich nicht um eine automatische Suchmaschine, sondern um einen redaktionell gepflegten Katalog. Mitarbeiter prüfen eingereichte Seiten, ordnen sie Themenbereichen zu und verfassen kurze Beschreibungen.

Das Verzeichnis umfasst Unternehmen, Behörden, Fanclubs, politische Gruppen, Händler, private Archive und öffentliche Mailboxen. Bezahlte Einträge erscheinen weiter oben und erhalten auffällige Symbole. Besonders zahlungskräftige Kunden können ihre Konkurrenz als unbestätigt, veraltet oder möglicherweise unsicher markieren lassen.

Wer nicht im Liberty Directory steht, ist nicht unsichtbar. Er ist lediglich darauf angewiesen, dass jemand seine genaue Adresse kennt. Für Runner ist das Verzeichnis ein guter Ausgangspunkt für Recherchen – und ein zuverlässiger Weg, nur jene Informationen zu finden, die gefunden werden sollen.

FreeMarket

FreeMarket ist der grösste Kleinanzeigen- und Handelsplatz der Incorporated States. Angeboten werden Fahrzeuge, Wohnungen, Elektronik, Waffen, Haustiere, Ersatzteile, Gebrauchtcyberware und Dienstleistungen jeder Art.

Verkäufer können ihre Identität, Adresse und Kreditwürdigkeit bestätigen lassen. Viele verzichten darauf. Bewertungen sollen Vertrauen schaffen, können aber gekauft, gefälscht oder durch Freunde abgegeben werden. Besonders günstige Angebote enden häufig mit dem Hinweis, dass Ware nur persönlich, gegen Bargeld und ohne weitere Fragen übergeben wird.

FreeMarket entfernt offensichtlich illegale Angebote. Weniger offensichtliche bleiben online, bis sich ein Rechteinhaber, Sicherheitsdienst oder ausreichend einflussreicher Kunde beschwert. Die Grenze zwischen Gebrauchthandel und Hehlerei verläuft deshalb meist dort, wo die Artikelbeschreibung besonders vage wird.

Crownwell Direct

Crownwell Direct ist das zentrale Kundenportal von Crownwell American Financial. Nutzer prüfen Konten, überweisen Geld, verwalten Versicherungen und beantragen Kredite. Verträge können direkt über ein Kartenlesegerät, eine Identifikationsdisk oder ein angeschlossenes Firmenkonto bestätigt werden.

Das Portal wirkt ruhig und vertrauenswürdig. Dunkle Hintergründe, goldene Rahmen und freundliche Berater unterscheiden es deutlich von den lauten Angeboten anderer Konzerne. Jede Seite vermittelt den Eindruck, dass Crownwell bereits eine Lösung vorbereitet hat.

Bei Zahlungsschwierigkeiten erscheint automatisch ein Beratungsfenster. Es bietet Ratenverlängerungen, Umschuldung, Arbeitsprogramme oder die vorübergehende Übertragung einzelner Nutzungsrechte an. Crownwell Direct lässt niemanden mit seinen finanziellen Problemen allein. Es sorgt dafür, dass sie langfristig und profitabel verwaltet werden.

WorkForce America

WorkForce America ist die wichtigste Stellen- und Auftragsbörse des Landes. Konzerne, Fabriken, Sicherheitsfirmen und private Haushalte suchen dort Arbeiter, Techniker, Fahrer, Pflegekräfte und kurzfristige Spezialisten.

Bewerber hinterlegen Ausbildung, Berufserfahrung, Gesundheitsstatus, Konzernzugehörigkeit und gewünschte Bezahlung. Unternehmen können zusätzliche Prüfungen verlangen, darunter Kreditberichte, Versicherungsdaten oder Loyalitätsnachweise.

Runneraufträge erscheinen selten unter ihrer tatsächlichen Bezeichnung. Typische Ausschreibungen lauten:

  • diskrete Rückführung von Firmeneigentum

  • kurzfristige Sicherheitsberatung

  • Schutz eines sensiblen Transports

  • unabhängige Konfliktlösung

  • technische Prüfung unter erschwerten Bedingungen

Wer auf ein solches Angebot antwortet, erhält meist nur eine Kontaktadresse und den Zeitpunkt eines persönlichen Treffens. Seriöse Auftraggeber verschweigen die gefährlichen Details schliesslich nicht. Sie besprechen sie nur lieber ohne schriftliche Aufzeichnung.

HomeSpace

HomeSpace stellt Privatpersonen günstigen Speicherplatz und einfache Werkzeuge für eigene Netzseiten zur Verfügung. Ohne Programmierkenntnisse können Nutzer Texte, Bilder, Musik, Gästebücher und Dateiarchive veröffentlichen.

Die meisten Seiten besitzen grelle Hintergründe, blinkende Überschriften, animierte Symbole und automatisch startende Musik. Dort finden sich Bandseiten, Fanclubs, Verschwörungstheorien, private Tagebücher, Urlaubsbilder, Waffenvergleiche und die Selbstdarstellung lokaler Runnercrews.

HomeSpace ist in sogenannte Neighbourhoods gegliedert:

  • NeonStreet für Nachtleben, Mode und Musik

  • StarPort für Raumfahrt und Science-Fiction

  • GunTown für Waffen und Selbstverteidigung

  • DreamHouse für Familien, Wohnen und Heimtechnik

  • ShadowLane für Hacker, Runner und Menschen, die behaupten, keine Verbrechen zu begehen

Viele Seiten wurden seit Jahren nicht aktualisiert. Sie bleiben trotzdem erreichbar, solange das Konto bezahlt oder vom System vergessen wird. Zwischen kaputten Bildern, toten Verweisen und alten Gästebucheinträgen liegen häufig Informationen, die aus offiziellen Archiven längst entfernt wurden.

ChatterBox

ChatterBox ist ein Verbund aus öffentlichen und privaten Diskussionsräumen. Nutzer schreiben Nachrichten in thematischen Boards, beantworten Beiträge und versenden private Mitteilungen.

Jeder Raum besitzt eigene Moderatoren und Regeln. Manche werden von Konzernen betrieben, andere von Fans, politischen Gruppen, Stadtteilorganisationen oder einzelnen Technikenthusiasten. Besonders beliebt sind Waffenforen, Musikboards, Reparaturgruppen, Verschwörungsräume und lokale Nachrichtenkanäle.

ChatterBox ist langsam, unübersichtlich und voller persönlicher Fehden. Genau das macht den Dienst wertvoll. Nutzer veröffentlichen dort Details, die sie niemals einer Zeitung oder Behörde mitteilen würden. Ein Hacker kann über ein technisches Problem berichten, ein Wachmann über seinen Arbeitgeber schimpfen oder ein Gangmitglied versehentlich verraten, in welchem Club es den Abend verbringt.

GameGrid

GameGrid verbindet Spielhallen, Heimkonsolen und Computerterminals zu einem gemeinsamen Spielenetz. Nutzer treten in Weltraumsimulationen, Arenakämpfen, Rennspielen und taktischen Kriegsspielen gegeneinander an.

Schnelle Echtzeitspiele funktionieren vor allem innerhalb derselben Stadt oder desselben Providers. Über grössere Entfernungen dominieren rundenbasierte Strategie-, Handels- und Managementspiele. Besonders beliebt sind Konzernsimulationen, in denen Spieler Märkte übernehmen, Konkurrenz sabotieren und feindliche Vorstandsvorsitzende entführen lassen.

Ranglisten sind öffentlich. Erfolgreiche Spieler gewinnen Preise, Sponsoren oder Einladungen zu Turnieren. Sicherheitsfirmen und Konzerne beobachten die besten Teilnehmer gelegentlich genauer. Ein Jugendlicher, der jeden Abend virtuelle Raumjäger abschiesst, könnte schliesslich genau das Talent besitzen, das ein echter Arbeitgeber sucht.

Runners Exchange

Runners Exchange ist eine halböffentliche Plattform für unabhängige Auftragnehmer. Registrierte Runner können dort Fähigkeiten, Einsatzgebiete, Referenzen und Haftungsstatus veröffentlichen. Vermittler durchsuchen die Profile und kontaktieren geeignete Einzelpersonen oder Crews.

Öffentliche Ausschreibungen enthalten selten konkrete Ziele. Sie nennen Branche, Einsatzdauer, erwartetes Risiko und gewünschte Kompetenzen. Weitere Informationen werden erst nach einer Identitätsprüfung, einer Verschwiegenheitserklärung oder einem persönlichen Treffen freigegeben.

Runner bewerten Auftraggeber nicht öffentlich. Stattdessen existieren geschlossene Empfehlungslisten und Warncodes. Ein kleiner Hinweis wie „Zahlungsabwicklung nach erfolgreicher Prüfung“ kann bedeuten, dass ein Kunde lediglich vorsichtig ist. Er kann ebenso bedeuten, dass drei Crews bereits auf ihr Geld warten.

BountyNet

BountyNet veröffentlicht Kopfgelder, Fahndungen, Rückführungsaufträge und Meldungen über gestohlenes Eigentum. Behörden, Sicherheitsfirmen, Versicherungen, Konzerne und Privatpersonen können Ausschreibungen einstellen.

Jeder Eintrag enthält eine Beschreibung des Ziels, die verlangten Beweise und die Höhe der Belohnung. Einige Auftraggeber wollen eine lebende Person, andere einen Aufenthaltsort, ein bestimmtes Objekt oder lediglich eine glaubwürdige Bestätigung.

Die Rechtmässigkeit eines Kopfgelds hängt von Auftraggeber, Gebiet und Vertrag ab. BountyNet übernimmt keine Verantwortung dafür, ob ein Vollstrecker ausserhalb der gültigen Zone handelt. Professionelle Kopfgeldjäger prüfen deshalb Zuständigkeiten sorgfältig. Weniger professionelle prüfen zuerst, wie hoch die Belohnung ist.

Sicherheit

The image depicts a tense urban scene with police officers and armed individuals, possibly in a standoff situation, dated 9:47 AM on August 27, 1988. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Sicherheit ist in 20XX kein Grundrecht. Sie ist eine Dienstleistung. Wer in einer Konzernzone lebt, erhält bewaffnete Patrouillen, Zugangskontrollen, medizinische Notfallteams und überwachte Verkehrswege als Teil seines Vertrags. Ausserhalb der Konzernzonen wird Sicherheit persönlicher. Nachbarschaften beschäftigen lokale Wachen, Geschäfte zahlen Schutzgelder und Gangs sichern Strassen, Märkte oder ganze Wohnblöcke. Polizei existiert weiterhin, doch ihre Zuständigkeit endet häufig dort, wo private Verträge beginnen oder die Anfahrt wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist.

Deshalb sind viele Bürger bewaffnet. Wohnungen besitzen verstärkte Türen, Fahrzeuge versteckte Waffenfächer und selbst Familienrestaurants beschäftigen Sicherheitskräfte. Gewalt ist allgegenwärtig, aber selten chaotisch. Sie wird versichert, lizenziert, ausgelagert und nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt.

Versicherung statt Ausweis

Die wichtigste Karte im Alltag ist die Versicherungskarte. Sie zeigt, wer bei Unfall, Krankheit oder Sachschaden bezahlt und welche Klinik, Werkstatt oder Sicherheitsfirma zuständig ist. Wer keine Versicherung besitzt, zahlt bar, hinterlegt eine Kaution oder wird abgewiesen. Für Motels, Busse, Märkte und gewöhnliche Einkäufe ist ein amtlicher Identitätsnachweis normalerweise bedeutungslos.

Die meisten Bürger besitzen staatliche Unterlagen wie Geburtsurkunde oder Personenkennziffer. Im Alltag werden sie kaum benötigt. Wichtig werden sie bei Grenzübertritten, Wahlen, staatlichen Gerichten, Immobilienkäufen, grossen Bankverträgen und Bundesbehörden. Einen Führerschein gibt es nicht. Wer ein Fahrzeug besitzt oder bezahlt, fährt.

Firmenausweise sind Zugangskarten, keine allgemeinen Identitätsnachweise. Sie regeln, welche Gebäude, Fahrzeuge, Netze und Bereiche ein Mitarbeiter nutzen darf. Einfache Ausweise werden nur angesehen oder durch ein Lesegerät gezogen. In wichtigen Bereichen kommen PIN, Handabdruck oder Netzhautkontrolle hinzu.

Registrierung von Dataphones

Dataphones müssen weder angemeldet noch einer staatlichen Identität zugeordnet werden. Es gibt keine zentrale Bürgerdatenbank, in der jedes Gerät seinem Besitzer zugewiesen ist. Provider kennen bei Vertragskunden ihre Kundendaten. Bei Prepaid-Konten sehen sie vor allem Gerätekennung, Verbindungen und Guthabenbewegungen. Wer eine Karte bar kauft und das Gerät wechselt, kann seine Spur erheblich erschweren.

Runner nutzen häufig mehrere Dataphones und Prepaid-Konten. Geräte werden gebraucht gekauft, weitergegeben oder nach einem Auftrag entsorgt. Völlige Anonymität gibt es trotzdem nicht. Provider speichern Verbindungsdaten, Netzknoten erkennen Gerätekennungen und kompromittierte Kontakte können ein scheinbar anonymes Konto enttarnen. Entscheidend ist nicht eine offizielle Identität, sondern das Muster der Nutzung.

Falsche Identitäten

Falsche Identitäten werden meist für einen bestimmten Zweck erstellt. Eine gefälschte Firmenkarte oder Versicherungskarte ist für Runner oft nützlicher als eine vollständige neue Existenz. Einfache Dokumente kosten 50 bis 200 Dollar. Belastbare Papiere kosten 500 bis 1.500 Dollar. Eine vollständige amtliche Identität beginnt bei etwa 5.000 Dollar.

Biometrische Daten

Biometrische Daten werden vor allem konzernintern erfasst. Konzerne speichern Fingerabdrücke, Stimme, Netzhaut, Implantatsignaturen und medizinische Daten ihrer Mitarbeiter und wichtigen Vertragspartner. Diese Datenbanken sind voneinander getrennt. Im öffentlichen Raum und im öffentlichen Verkehr gibt es keine systematische biometrische Kontrolle. Staatliche Stellen erfassen Biometrie vor allem nach Festnahmen wegen schwerer Gewaltverbrechen. Dann werden Fotos, Fingerabdrücke, Narben und auffällige Cyberware dokumentiert.

Kriminelle erkennen

Kriminelle werden nicht automatisch durch Kameras erkannt. Die meisten Aufnahmen sind schlecht, lokal gespeichert oder werden schnell überspielt. Ein Runner wird durch Zeugen, auffällige Cyberware, Fahrzeuge, Kontakte, bekannte Vorgehensweisen oder Informanten erkannt. Konzerninterne Biometrie ist gefährlich, aber nur innerhalb des jeweiligen Konzerns. Eine lokale Fahndung bleibt lokal. Eine Konzernfahndung erreicht eigene Gebäude und Vertragspartner. Eine stadtweite Fahndung braucht Medien, Belohnungen und jemanden, der tatsächlich hinsieht.

Zuständigkeiten

Bundesrecht gilt bei nationaler Sicherheit, Grenzen und schweren Verbrechen gegen die Incorporated States. Stadtrecht gilt in öffentlichen Bereichen, Konzernrecht auf Konzerngebiet. In offenen Zonen gilt, was die lokale Macht durchsetzen kann. Verfolgt wird vor allem, was Handel, Versorgung und örtliche Ordnung gefährdet.

Private Sicherheitsdienste schützen ihre Kunden, nicht die Allgemeinheit. Sie kontrollieren Zugänge, durchsuchen Personen, beschlagnahmen Waffen und setzen bei Bedarf tödliche Gewalt ein. Ausserhalb ihres Vertragsgebiets besitzen sie kaum mehr Rechte als bewaffnete Bürger. Das hält viele Unternehmen nicht davon ab, trotzdem zu handeln.

Legalität von Waffen und Cyberware

In den Incorporated States sind Pistolen, Gewehre, automatische Waffen und viele militärische Systeme legal erhältlich. Schwere Waffen müssen häufig registriert werden, ihr Kauf bedarf jedoch keiner besonderen Genehmigung.

Ein Hintergrundcheck findet gewöhnlich nicht statt. Verlangt ein Händler, Hersteller oder Versicherer dennoch einen Nachweis gewerblicher Verwendung, genügt meistens die Runnerregistrierung. Sie bestätigt, dass die Waffe einem bekannten Unternehmen oder einer haftbaren Person zugeordnet werden kann.

Granatwerfer, schwere Maschinenwaffen, bewaffnete Drohnen und tragbare Raketenwaffen sind deshalb keine geheimen Schwarzmarktprodukte. Sie stehen in Katalogen, werden finanziert und können mit Wartungsvertrag geliefert werden. Einschränkungen betreffen vor allem Lagerung, Versicherung und Haftungsdeckung.

The image depicts a retro diner setting, complete with vintage computers, posters, and a sense of a bygone era, likely evoking a sense of nostalgia or a themed environment. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Runners in 20XX

Runner sind die unabhängigen Unternehmer der Corporate Wars. Sie beschaffen Informationen, sichern Eigentum, holen Personen zurück, sabotieren Anlagen, schützen Transporte und lösen Probleme, für die reguläre Sicherheitskräfte zu langsam, zu sichtbar oder zu unflexibel sind.

Sie sind keine Anarchisten und keine Untergrundrebellen. Ihre Tätigkeit ist bekannt, gesellschaftlich anerkannt und Teil der amerikanischen Wirtschaft. Runner arbeiten auf eigene Rechnung, verhandeln ihre Bedingungen selbst und tragen das Risiko ihrer Entscheidungen. Ein erfolgreicher Runner besitzt Waffen, Cyberware, Geschäftskontakte und einen guten Anwalt. Ein erfolgloser Runner besitzt meistens nur noch Schulden.

Unternehmer mit Sturmgewehr

Grundsätzlich kann jeder Bürger seine Dienste als Runner anbieten. Es gibt keine Ausbildungspflicht, keine staatliche Prüfung und keine Behörde, die entscheidet, wer für diesen Beruf geeignet ist. Der Markt übernimmt diese Aufgabe.

Runner werden bezahlt, weil sie Fähigkeiten verbinden, die gewöhnliche Dienstleister nicht anbieten können. Sie können einen Konzernempfang betreten, eine Überwachungsanlage umgehen, einen Server knacken und sich anschliessend aus einem brennenden Gebäude freikämpfen. Manche sind ehemalige Soldaten, Sicherheitskräfte, Ermittler oder Konzernangestellte. Andere stammen aus Gangs, Werkstätten, Renncrews, Medienunternehmen oder unabhängigen Hackernetzen.

Die meisten arbeiten in festen Crews. Ein einzelner Spezialist kann Aufträge übernehmen, doch grössere Einsätze verlangen unterschiedliche Fähigkeiten, mehrere Waffen und wenigstens eine Person, die weiss, wie man nach dem Einsatz wieder verschwindet.

Runner sind keine Angestellten ihrer Auftraggeber. Sie erhalten kein festes Gehalt, keine garantierte medizinische Versorgung und keine Entschädigung für schlechte Entscheidungen. Dafür können sie ihre Kunden wählen, ihre Preise selbst festlegen und jeden Vertrag ablehnen, den sie für zu gefährlich, zu schlecht bezahlt oder zu langweilig halten.

Der Markt für Aufträge

Runner erhalten ihre Arbeit über Fixer, Berater, Anwälte, Sicherheitsunternehmen und andere Vermittler. Konzerne beschäftigen sie selten direkt. Ein fest angestellter Einsatztrupp wäre teuer, unflexibel und zu eindeutig mit seinem Arbeitgeber verbunden.

Der Vermittler prüft Anfragen, bringt Auftraggeber und Crew zusammen und sorgt dafür, dass beide Seiten zumindest ungefähr verstehen, worauf sie sich einlassen. Dafür erhält er Geld, einen Anteil am Honorar oder langfristigen Einfluss auf die Crew.

Aufträge reichen von gewöhnlicher Sicherheitsarbeit bis zu offenen Angriffen auf konkurrierende Unternehmen. Typische Einsätze umfassen:

  • Schutz von Personen, Transporten und Anlagen

  • Rückführung von Schuldnern, Mitarbeitern oder gestohlenem Eigentum

  • Beschaffung vertraulicher Daten und technischer Prototypen

  • Aufklärung, Überwachung und Gegenüberwachung

  • Sabotage von Produktion, Energieversorgung oder Kommunikation

  • Rettung und Extraktion gefährdeter Personen

  • Bergung verlorener Fracht oder abgestürzter Fahrzeuge

  • Bekämpfung von Gangs, Kulten, Konkurrenten oder anderen Runnern

Der Auftraggeber beschreibt das gewünschte Ergebnis. Wie die Crew es erreicht, bleibt gewöhnlich ihr Problem.

Die Runnerregistrierung

Professionelle Runner lassen sich als bewaffnete gewerbliche Auftragnehmer registrieren. Die Registrierung ist keine Lizenz und bestätigt weder Ausbildung noch persönliche Zuverlässigkeit. Sie dient vor allem dazu, Verträge, Schäden und Forderungen eindeutig zuordnen zu können.

Erfasst werden gewöhnlich der Name des Runners oder der Crew, eine Zustelladresse, eine Kontaktmöglichkeit und die verantwortlichen Vertragspartner. Waffen, Fahrzeuge und andere gewerblich genutzte Ausrüstung können direkt der Registrierung zugeordnet werden. Manche Register verlangen zusätzlich eine Versicherung, eine Kaution oder den Nachweis ausreichender Kreditwürdigkeit.

Die Registrierung lässt sich bei städtischen Vertragsstellen, anerkannten Sicherheitsunternehmen oder privaten Registrierungsdiensten durchführen. Die Gebühren sind niedrig, die Bearbeitung erfolgt schnell und eine Ablehnung ist selten. Die Incorporated States wollen nicht entscheiden, wer Runner sein darf. Sie wollen wissen, wem später die Rechnung geschickt wird.

Unregistrierte Runner sind nicht automatisch Kriminelle. Sie erhalten jedoch schlechtere Aufträge, zahlen höhere Kautionen und haften persönlich für alle Schäden. Seriöse Vermittler, Versicherer und Auftraggeber arbeiten deshalb bevorzugt mit registrierten Crews.

Stellung in der Gesellschaft

Runner gelten als gefährlich, aber nicht grundsätzlich anrüchig. Sie stehen gesellschaftlich zwischen Privatdetektiven, Kopfgeldjägern, Sicherheitsberatern, Rennfahrern und Actionstars.

Konzernangestellte bewundern ihre Unabhängigkeit und halten sie gleichzeitig für unvernünftig. Jugendliche sehen in ihnen moderne Cowboys. Versicherer sehen Risiken, Waffenhersteller sehen Kunden und OmniStar sieht Inhalte.

Restaurants und Hotels bedienen Runner, verlangen aber gelegentlich höhere Kautionen. Werkstätten werben mit Einsatzrabatten. Kliniken bieten spezielle Behandlungspakete an. Banken finanzieren Fahrzeuge und Cyberware, sofern das erwartete Einkommen oder die verwertbaren Sicherheiten ausreichen.

Ein Runner muss seinen Beruf nicht verbergen. Er kann sich als Sicherheitsberater, Rückführungsspezialist, Ermittler oder unabhängiger Einsatzunternehmer vorstellen. Welche Bezeichnung er wählt, hängt vor allem davon ab, wer zuhört.

Eine sichtbare Branche

Runner sind keine geheime Subkultur. Sie besitzen Fachmessen, Bars, Versicherungsangebote, Waffenrabatte und eigene Medien.

Runners of Fortune ist die bekannteste Publikation der Branche. Das Magazin verbindet Einsatzberichte, Waffen- und Cyberwaretests, Vertragsberatung und Porträts erfolgreicher Crews. Es veröffentlicht Rankings von Vermittlern, warnt vor schlechten Versicherungen und erklärt, welche neue Waffe den Anschaffungskredit tatsächlich wert ist.

Populärer ist die Fernsehshow Private Runs – Living on the Mumm. Sie begleitet ausgewählte Crews bei Einsätzen, Vorbereitungen und Vertragsverhandlungen. Kameradrohnen zeigen Schusswechsel, Fahrzeugjagden und dramatische Rettungen, während Sponsoren Waffen, Cyberware und Versicherungen präsentieren.

Nicht jede Szene ist echt. Manche Einsätze werden nachgestellt, andere speziell für die Kameras organisiert. Die Zuschauer interessiert das wenig. Sie wollen Profis sehen, die Risiken eingehen, hohe Rechnungen verursachen und am Ende mit dem Honorar davonfahren.

Berühmte Runner verkaufen Trainingsprogramme, Kleidung, Waffenlinien und Autobiografien. Jugendliche tragen Crewlogos, sammeln Einsatzkarten und diskutieren darüber, welcher Fahrer, Hacker oder Schütze bei Private Runs der Beste ist.

Die meisten Runner werden niemals berühmt. Trotzdem wachsen sie in einer Kultur auf, die ihnen verspricht, dass jeder Auftrag der Beginn einer grossen Karriere sein könnte.

Leben zwischen den Einsätzen

Die meiste Zeit verbringen Runner nicht unter Beschuss. Sie trainieren, warten Ausrüstung, beschaffen Informationen und versuchen, ihre Rechnungen zu bezahlen.

Ein Teil des Honorars fliesst in Munition, Medikamente, Ersatzteile und Reparaturen. Weitere Kosten entstehen durch Versicherung, Anwalt, Vermittler, Fahrzeugkredite und medizinische Behandlung. Cyberware muss gewartet, Waffen müssen registriert und sichere Unterkünfte müssen bezahlt werden.

Erfolgreiche Crews besitzen eine feste Operationsbasis, ein gemeinsames Fahrzeug und zuverlässige Kontakte. Weniger erfolgreiche Crews treffen sich in gemieteten Lagerräumen, Werkstätten, Bars oder Motelzimmern. Manche leben gemeinsam, andere sehen sich nur bei Briefings und Einsätzen.

Das Einkommen ist unregelmässig. Ein guter Auftrag kann mehrere Monate finanzieren. Ein gescheiterter Auftrag kann eine Crew mit Schulden zurücklassen, die nur durch einen noch gefährlicheren Auftrag beglichen werden können.

Runner wählen diesen Beruf nicht wegen seiner Stabilität. Sie wählen ihn, weil ein einziger Einsatz mehr einbringen kann als ein Jahr gewöhnlicher Arbeit und weil niemand ihnen sagt, wann sie morgens erscheinen müssen.

Freiheit auf eigene Rechnung

Runner verkörpern das Versprechen der Incorporated States in seiner reinsten Form. Sie sind frei von festen Arbeitgebern, garantierten Arbeitszeiten und langfristigen Verpflichtungen. Dafür besitzen sie keinen Schutz vor Krankheit, Schulden, schlechten Verträgen oder gegnerischem Feuer.

Sie können reich, berühmt und unabhängig werden. Sie können ebenso leicht in einem namenlosen Korridor sterben, während ihr Auftraggeber erklärt, nie von ihnen gehört zu haben.

Runner stehen nicht ausserhalb des Systems. Sie sind das Ergebnis eines Systems, das Gewalt, Risiko und Verantwortung in marktfähige Dienstleistungen verwandelt hat.

Sie besitzen keine Garantie auf Erfolg.

Sie besitzen eine Registrierung, eine Crew und die Freiheit, es trotzdem zu versuchen.